DIVERSES AUS DEM HEXAGON

Die Osterzeit in der Ardèche war ziemlich wetterwendisch. Der Karfreitag, hier ein beinahe normaler Arbeitstag, war grau und feucht, am Samstag wurde es dann frühlingshaft warm mit strahlendblauem Himmel, am Ostersonntag regnete es wiederum heftig, und die folgenden Tage waren ebenfalls vorwiegend nasskalt. Das bietet Gelegenheit, in Zeitungen, Magazinen und im Internet nachzuschauen, was sich in Frankreich und der übrigen Welt in Sachen Insekten und Naturschutz tut…

Pfirsich2

Pestizide, Demos und Bienenmedizin
Die Tageszeitung «Le Dauphiné libéré» bietet ihrer Leserschaft jeden Tag die Möglichkeit, zu einem aktuellen Thema via Internet mit Ja oder Nein Stellung zu nehmen. Am Samstag, 2. April, reagierten 6600 Personen auf die Frage: «Werden Sie darauf verzichten, chemische Unkrautvernichtungsmittel zu benutzen?» 64% waren dafür, 36% dagegen. Eine klare Mehrheit wäre also bereit, von Hand oder mit alternativen Mitteln gegen die sogenannten Mitkräuter vorzugehen. Am Vortag lautete die Frage: «Soll die Regierung auf die Demonstrationen gegen das neue Arbeitsrecht eingehen?» Diesmal antworteten 8751 Personen, und das Verhältnis war genau umgekehrt: 36% stimmten dafür und 64% dagegen. Die meisten Leserinnen und Leser des bunten Blattes sind demnach mit den Millionen, die in den vergangenen Tagen vor allem gegen die von der linken Regierung vorgeschlagenen längeren Arbeitszeiten auf die Straße gingen, nicht ganz einverstanden. Die Demos erinnerten denn auch eher an ein fröhliches Volksfest für die Jungen, die für die Umzüge teilweise schulfrei kriegten.

220px-Propolis_in_beehives - KopieDas Glück liegt laut Professor Henri Joyeux sowieso in den Bienenstöcken und nicht auf der Straße. In derselben Nummer preist der Krebsforscher die wohltuende Wirkung von Honig, Propolis, Gelée Royale, Pollen und sogar dem Gift der Bienen. Er kämpft seit Jahren gegen die Windmühlen der Pharmaindustrie, die nur ans Geld denke. Er empfiehlt Honig nicht nur als Wundheilmittel, sondern unter vielem anderem auch als Schlafmittel und Antidepressivum. Kein Wunder, ist der Professor, der mit Bienenfleiß zahlreiche Bücher zum Thema Alternativmedizin geschrieben hat, bei seinen Berufskollegen nicht allseits beliebt.

Bienen haben wir übrigens bisher auch bei schönem Wetter sozusagen keine gesichtet, obwohl es im Eyrieux-Tal in allen Farben blüht. Man fragt sich, wie die zahlreichen Pfirsichbäume bestäubt werden, ob wohl der Wind diese Arbeit erledigt. Auch überwinternde Schmetterlinge, die ebenfalls Pollen übertragen können, sieht man erstaunlich selten.

Escrinet ganzer textVögel zählen und füttern
Auf dem Col de l’Escrinet werden momentan die Zugvögel gezählt. Der Pass ist einer der drei wichtigsten Vogelzug-Beobachtungsstandorte in Frankreich. Die Witterung meint es allerdings momentan nicht gut mit den Ornithologen, die vom 10. Februar bis zum 15. April tagtäglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang hier ausharren. An den Wochenenden ist der niedrige Pass (787 m) zwischen Privas und Aubenas ein Treffpunkt von Vogelfreunden, von denen manche für dieses Ereignis von weit her anreisen. Die Ergebnisse der letzten Jahre sind unter www.migraction.net nachzulesen.Leute mit Fernrohren

Weiter südlich, zwischen Lagorce und Gras, in der Nähe der beeindruckenden Schluchten der Ardèche unterhalb von Vallon-Pont-d’Arc, bereitet sich der französische Vogelschutz(Ligue pour la protection des oiseaux) auf die – erhoffte – Rückkehr von drei Schmutzgeierpaaren aus dem Süden vor, die in den Felsen des Massivs der Dent de Rez nisten werden. Sie brauchen jedoch Unterstützung. SchmutzgeierpaarWeil die Bauern die Schlachtabfälle und Totgeburten ihrer Tiere in der EU nicht mehr in der Natur entsorgen dürfen, leiden Aasfresser wie die Geier unter Nahrungsmangel. Im Dezember 1981 wurden die ersten Gänsegeierpaare über der Jonte-Schlucht ausgewildert. Weitere folgten, und allmählich begannen sie auch zu brüten, so dass der Bestand in den Cevennen bis heute auf ungefähr 900 Vögel angewachsen ist. Außerdem gibt es in den Cevennen etwa 80 Mönchsgeier und einige Bartgeier, die 2012 ausgewildert wurden. Ohne Zufütterung würden die Bestände rapid zurückgMönchsgeier-Cevennen (2)ehen. Die drei Plätze, auf denen regelmäßig Schlachtabfälle und ganze Kadaver ausgelegt werden, bleiben geheim und sind mit Fotofallen bestückt.

Doch zurück zur Landwirtschaft. Die Französische Vereinigung für wissenschaftliche Information (AFIS) hat ihr neustes Heft den Pestiziden gewidmet. Auf 112 Seiten will die 1968 gegründete, honorige Zeitschrift das aktuelle und heikle Thema möglichst vorurteilslos angehen, wissenschaftlich eben. Das Dossier über Pestizide dieser Nummer wolle zur Information über die wirklichen Erkenntnisse beitragen, jenseits der industriellen und ideologischen Lobbys. Ich bin gespannt! Siehe: Science… & pseudo-sciences No 315, 2016. www.pseudo-sciences.org

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