OSTERN IM ZEICHEN DES PROTESTS

Der Mistral bläst mit aller Kraft und lässt kaum Frühlingsgefühle aufkommen. Noch vor einer Woche lag in der Ardèche bis in die Niederungen Schnee. So winterlich sei es die letzten Monate noch nie gewesen, versichert man uns und weist auf die blühenden Mimosen hin, die unter der Last des Schnees gelitten haben. Das hält die Einheimischen jedoch nicht davon ab, Osterfeste mit der beliebten Eiersuche im Freien zu planen und Protestmärsche durchzuführen. Vive la France, trotz allem!

Kampf den Pestiziden

ImkerNach einer Marathonsitzung haben die Abgeordneten des französischen Parlaments in der Nacht vom 17. auf den 18. März mit 30 Ja- zu 28 Neinstimmen beschlossen, die Neonicotinoide zu verbieten. «Ein Sieg für die Bienen… im Jahr 2018!», relativiert die Tageszeitung Le Dauphiné libéré das Ereignis. Denn bis wann und in welchem Maß das umstrittene Pestizid wirklich nicht mehr gespritzt wird, steht noch keineswegs fest. Die Landwirtschaftslobby wird diese Kröte nicht einfach so schlucken, es wird noch eine Menge Wasser die Rhone und die Seine hinunterfließen, bis das Parlament seinen Willen durchgesetzt hat.

marche_angers_spap20122012 hat das nationale Institut für Gesundheit und medizinische Forschung (Inserm) verkündet, dass ein Zusammenhang zwischen dem beruflichen Umgang mit Pestiziden und einigen schweren Krankheiten wie Krebs, Parkinson usw. zu bestehen scheine. Außerdem seien Föten im Mutterleib und Kleinkinder großen Risiken ausgesetzt, wenn sie direkt oder ndirekt mit diesen Produkten in Berührung kämen. Dennoch ist der Verbrauch von Pestiziden in Frankreich zwischen 2013 und 2014 um 9,4% gestiegen. Von Reduktion also keine Spur, obschon es 2008 einen Plan Ecophyto gab, der sich zum Ziel gesetzt hatte, den Konsum in den folgenden zehn Jahren um 50% zu senken.

Das Parlament hat sich nicht zufällig am Freitag, 18. März, für das Wohl der Bienen und Bauern eingesetzt: Am 20. März begann nämlich die Woche gegen Pestizide (La semaine pour les alternatives aux pesticides), die in Frankreich ins Leben gerufen wurde und dieses Jahr zum elften Mal auch auf internationaler Ebene durchgeführt wird. Im Programm stehen neben Manifestationen in größeren Städten Ausstellungen, Gartenbesichtigungen, Besuche bei Imkern, Führungen durch Bio-Landwirtschaftsbetriebe, Vorträge für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Bio-Essen in Kantinen, Filmvorführungen mit anschließendem Suppenessen, Handwerkskurse für Insektenhotels usw. Allein in Frankreich finden Hunderte von Anlässen statt, europaweit sind es ungefährt tausend! Ich wollte mich übers Programm der Woche ohne Pestizide in der Schweiz im Internet kundig machen und fand erstaunlicherweise keinen Hinweis darauf… Mehr darüber (auch in Deutsch) unter: www.semaine-sans-pesticides.fr.

Mit oder ohne – das ist die Frage!

grappes_01Daniel Sauvaitre gehört zu jenen Landwirten, die sich nicht vorstellen können, ohne Pestizide zu produzieren. In der Charente kultiviert er 75 ha Apfelbäume und 75 ha Reben. Dazu beschäftigt er 80 Vollzeitangestellte. «Wir brauchen Pestizide, um uns vor Risiken zu schützen, auch wenn wir diese nur im Bedarfsfall einsetzen. Bei den Insektiziden haben wir stark reduziert, auf die Fungizide können wir jedoch nicht verzichten.» Und er argumentiert weiter, dass Bio-Landwirtschaft noch nie auf einer großen Fläche von beispielsweise 2000 ha durchgeführt und die daraus resultierenden Kosten untersucht wurden. Denn die Bevölkerung wohne immer mehr in den Städten und verlange nach billigen Produkten. Ganz unrecht hat er da nicht, wenn ich die – oft fast unanständig tiefen – Preise im Supermarkt mit jenen in der Schweiz vergleiche.

François Veillerette ist anderer Meinung. Der Mediensprecher von «Générations futures», einer bereits 1996 in der Picardie gegründeten Organisation gegen Pestizide, verweist auf die rund 1900 Dephy-Bauernhöfe in Frankreich, die sich für die starke Reduktion von Pestiziden einsetzen und sich dennoch ein anständiges Einkommen sichern: «Das ist eine Frage der öffentlichen Gesundheit. Eine 2015 veröffentlichte Studie schätzt, dass die Kosten für durch Pestizide verursachte Krankheiten in Europa pro Jahr 120 Milliarden Euro betragen.» Zahlreiche Städte hätten zudem bereits freiwillig auf den Einsatz solcher Mittel auf ihren Grünflächen verzichtet. Siehe auch: www.generations-futures.fr

PlakatUnd noch etwas: Am 17. März fand in unserem kleinen, aber feinen Saint-Sauveur-de-Montagut ein Vortrag über die Schwarze Biene der Boutières statt. Weil sie zu wenig Ertrag bringe und unter Viren, Parasiten und vor allem Pestiziden leide, sei sie am Aussterben. Damit sei einerseits die Biodiversität gefährdet, andererseits seien diese einheimischen Bienen besser an ihre Umgebung angepasst als die importierten. Die Anhänger der Abeille noire blicken außerdem mit Misstrauen der von staatlicher Seite geförderten Züchtung einer Super-Biene entgegen, die gegen Pestizide, Viren usw. resistent ist und gewaltige Mengen Honig produziert…  Frohe Ostern!

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