SPINNER NEHMEN ÜBERHAND…!

… Und was für die Politik gilt, wird auch im Tal des Eyrieux in der Ardèche bittere Realität. Der Buchsbaumzünsler hat das Regiment übernommen. Die im Grunde genommen hübsche Raupe frisst sich mit ungezügeltem Appetit durch die grossen Buchsbestände der Wälder. Abertausende spinnen die eigentlich immergrünen Büsche ein und verwandeln sie innert kürzester Zeit in fahlbraune Gerippe mit dürrem Laub. Zwar meinen manche, dass sich die Buchsbäume wieder erholen werden, wenn der Zünsler verschwunden ist. Aber ob er das tut, solange noch irgendwo etwas Fressbares zu finden ist…?

Die Raupen seilen sich an ihren Spinnfäden ab, lassen sich durch den Wind verfrachten und landen nicht selten auf den Menschen und Tieren in ihrem Territorium. Raupen und Spinnfäden in den Haaren, auf dem T-Shirt, im Gesicht. Es ist deshalb verständlich, dass die Leute es eigenartig finden, wenn man sie auf den Insektenschwund in ihrer Gegend anspricht. Dennoch: Ungeachtet der  Zünslerinvasion ist es eine traurige Tatsache, dass selbst in dieser naturnahen Region immer weniger Falter, Bienen, Wespen, Käfer und Heuschrecken zu finden sind. Entsprechend rar machen sich die Fledermäuse, Schwalben und Eidechsen. Auch gesunde, fette Spinnen kriegt man kaum mehr zu Gesicht.

Früher war auch in der Drôme einiges besser
Dass der Süden Frankreichs vor noch nicht allzu langer Zeit ein Dorado für Insekten und alle von ihnen abhängigen Tiere war, bestätigte Christoph Meckel in seinem 1997 erschienenen Buch «Ein unbekannter Mensch». Der 1935 in Berlin geborene Schriftsteller und Grafiker lebte lange Zeit im Dorf Rémuzat (im Buch Villededon genannt) in der östlichen Drôme, das er folgendermaßen beschreibt: «Das Dorf ist nicht sehenswert, eine einfache Ortschaft, fünfhundert Meter hoch zwischen Felsen und Marnen, Steilhängen mit Bergeichen, Ginster und Zedern, am Zusammenlauf zweier Flüsse aus Nord und Ost, verwilderten Wasserbetten voll Kies und Geäst, die im Winter Ströme, im Sommer Rinnsale sind.» Im Mittelpunkt des schmalen, aber für alle Liebhaber des ländlichen Frankreich lesenswerten Bandes stehen die Menschen, die hier lebten. Die Tierwelt dieser Gegend kommt jedoch auch zu ihrem Recht. «… Schwalben und Mauersegler bauen Nester am Haus, und im Gras die Katze erwartet den Tag, wenn ein junger Vogel herunterfällt, auf dem ersten Flugversuch zwischen Nest und Baum. Die heißen Wochen des Sommers sind leer und still, nur die Fledermaus schwirrt durch die Höfe im Zwielicht, Eule und Käuzchen rufen in der Nacht. Nach dem zehnten September sammeln sich die Schwalben, kreisen und gleiten in Schwärmen über den Hängen und sind eines Morgens nicht mehr da. (…) Die Nachtluft flimmert von Glühwürmchen, Faltern, Fliegen, Moskitos und Motten.»

In Gärten und Parks wird verbissen gekämpft
Ja, so oder ähnlich haben wir es auch bei uns in der Ardèche erlebt. Ob der neue Umweltminister und populäre TV-Star Nicolas Hulot diese paradiesischen Zustände wiederherstellen kann? Er nimmt unter anderem die Pestizide ins Visier, um dem Bienensterben Einhalt zu gebieten, und kämpft dabei gegen die Vorstellungen des Agrarministers. Einfach wird er es wohl nicht haben, darin sind sich auch seine Parteifreunde einig.

In den häufig nur schwer zugänglichen Wäldern der Ardèche bleiben die Buchsbaumzünsler von Vernichtungsaktionen unbehelligt. Anders sieht es in den Gärten und Parks aus, in denen Buchs zu den beliebtesten Gewächsen gehört, da er sich fast beliebig zu Hecken, Kugeln und fantasievollen Figuren trimmen lässt. Es gibt wohl keinen Schlossgärtner in Frankreich, der etwas auf sich hält, der freiwillig auf den Buchs im Park verzichtet. Selbst ökologisch verantwortungsbewusste Hobbygärtnerinnen und -gärtner, die es zuerst mit dem Ablesen der Raupen versuchen oder ihnen mit dem Hochdruckreiniger zu Leibe rücken, greifen schließlich zu den empfohlenen Pestiziden, um das Schlimmste zu verhindern. Und einmal spritzen genügt nicht, die Prozedur muss mehrmals wiederholt werden, damit sie etwas nützt. Auch in diesem Fall wird der Beelzebub mit dem Teufel ausgetrieben, denn diese Mittel sind erwiesenermaßen auch für Bienen und andere Insekten schädlich bzw. tödlich. Monsieur Hulot geht die Arbeit nicht aus!

Zum Abschluss noch eine Feststellung von Maarten Bijleveld van Leexmond, dem 77jährigen holländischen Biologen, Gründer des WWF Niederlande und des Papiliorama im westschweizerischen Marin, der ein Haus im Hérault besitzt: «Es war Mitte der 2000er Jahre. Eines Tages, als ich in der Garrigue spazieren ging, fragte ich mich, wo die Insekten geblieben sind. Es schien mir, dass es viel weniger gab als früher. Und ich realisierte, dass immer weniger an der Frontscheibe und dem Kühlergrill des Autos klebten, sozusagen keine mehr.» In der Folge tat er sich mit einem Dutzend Entomologen zusammen, deren Nachforschungen und Beobachtungen bestätigten, dass der Insektenbestand seit den 1990er Jahren zurückgegangen ist. Ihrer Ansicht nach  ist das Bienensterben nur der sichtbarste Teil dieses Phänomens, das für das ganze Ökosystem gilt. Mehr darüber demnächst!

AUGENWEIDEN UND BIENENFREUNDLICHE BAUERN

Das Schweizer Stimmvolk hat das Energiegesetz angenommen, und es bleibt nur noch die Hoffnung, dass trotzdem Wege und Mittel gefunden werden, um in Sachen Windturbinen das Schlimmste zu verhüten. Elias Meier vom Verband Freie Landschaft Schweiz verspricht, am Ball zu bleiben (elias.meier@freie-landschaft.ch).

Pfingsten ist wie üblich launisch, was Gelegenheit zum Schmökern in Zeitungen, Magazinen und alten Büchern bietet. Es muss ja nicht immer nur Trump, Putin und Macron sein.

Hohe Zeit der Blumenwiesen
Die unter Naturschutz stehende Klappertopfwiese vor der Haustür blüht dank Einsprengseln von Klatschmohn, Wiesensalbei, Esparsetten und Margeriten farbenfroh. Auch in der Höhe geht es auf den Weiden momentan bunt zu und her. Besonders eindrucksvoll war der gestrige Kurzausflug zwischen zwei Regengüssen zum Tzeusier-Stausee über Ayent VS, wo die Alpen- und Schwefelanemonen mit dem kleinen Frühlingsenzian und dem kräftigeren Stengellosen Enzian dichte Bestände bilden. Eine echte Augenweide!

Stefan Eggenberger, Leiter des nationalen Daten- und Informationszentrums für Wildpflanzen Info Flora, bedauert, dass solche Wiesen in der Schweiz immer seltener und sogar in den Alpen schleichend durch sattgelbe, jedoch eintönige Löwenzahnflächen ersetzt werden. Biodiversität sieht anders aus! «Erst so realisiert man, dass etwas nicht in Ordnung ist mit unserem Naturkapital. Oder denken Sie an die 1960er Jahre zurück: Nach einer Autofahrt klebten überall Insekten an der Windschutzscheibe. Heute sind wir schneller und mehr unterwegs, aber die Autos sind fast sauber. Wo sind nur all die Insekten geblieben?»

Und was ist seiner Ansicht nach die Ursache für den erschreckenden Rückgang der Artenvielfalt ? «Eines der größten Probleme ist unsachgemäßer Stickstoffeinsatz in der Landwirtschaft. Das Ammoniak, das aus der Gülle in die Luft entweicht, gelangt flächendeckend auch in sensible Lebensräume. Diese Düngung führt dazu, dass die natürlichen Standortunterschiede verschwimmen.» Die Folge sei die Banalisierung der Landschaft durch die Ausbreitung nährstoffliebender Pflanzen wie Löwenzahn.

Insekten gibt es auch dieses Jahr auf unserer Bilderbuch-Magerwiese am Montorge-See oberhalb von Sion wiederum sehr wenige. Jede Hummel, jeder Schmetterling, ja sogar jede Biene oder Fliege ist ein Ereignis. Es ist zudem das erste Mal, dass auf der Terrasse keine Mauereidechsen zu sehen sind. Wovon sollten diese Insektenjäger denn auch leben? (Quelle: «NZZ» vom 2.6.2017; www.infoflora.ch).

Dass neben dem Dünger auch die Pestizide reduziert werden müssen, wissen auch unsere Landwirte und Winzer. In den letzten zwei, drei Wochen sind die Helikopter bereits morgens um sechs Uhr losgedonnert, um die Reben zu spritzen. In einem «Blick»-Video kommentiert ein Weinbauer aus Fully das Prozedere und meint, man gebe sich im allgemeinen Mühe, weniger und umweltfreundlichere Pflanzenschutzmittel einzusetzen. Störend finde er hingegen, dass nicht die Winzer die Spritzpläne erstellen, sondern die Produzenten bzw. Händler der Pestizide. Das ist allerdings erstaunlich…

Bienenfreundlicher Aargau
Im Kanton Aargau will man das alarmierende Bienensterben mit einem sogenannten Ressourcenprojekt in Zusammenarbeit mit den Landwirten und Winzern gezielt bekämpfen. Durch zahlreiche Maßnahmen, die den Bauern einiges abfordern, wofür sie jedoch durch finanzielle Beiträge relativ großzügig entschädigt werden, sollen Honig- und Wildbienen geschützt und gefördert werden.

Laut «NZZ» haben sich in den ersten fünf Monaten 250 im Kanton Aargau ansässige Bauern zum Mitmachen entschlossen. Sie verpflichten sich, die strikten Mäh- und Spritzvorschriften einzuhalten, legen Kleinstrukturen an (Holz-, Sand-, Erd- und Steinhaufen), lassen Brachen mit Wildblütenpflanzen stehen, schaffen Tümpel, besuchen Weiterbildungskurse usw. Die ausführliche Beschreibung des ehrgeizigen Projekts «Bienenfreundliche Landwirtschaft im Kanton Aargau» findet man unter www.agrofutura.ch.

Meiner treuen «Followerin», Imkerin und Kommunikationsfachfrau in Österreich geht es übrigens nicht besser als unseren Schweizer Bienenhaltern. In ihrem neusten Blog klagt sie: «Meine traurige Bilanz: 75% Verlust im Winter 2016/17. Die Hälfte meiner Völker war bereits im Herbst sehr schwach, und die zusätzliche Varroa-Behandlung hat ihnen leider den Rest gegeben. Hinzu kommt, dass sie auf Grund der Rückkehr des Winters im Februar viel Hunger leiden mussten.» Beides habe dazu geführt, dass sie Anfang März drei tote Völker vorgefunden habe. Mehr dazu gibt’s unter www.honigsuess.com zu erfahren.

UND WO BLEIBEN DIE FRÖSCHE?

Es blüht und sprießt, pfeift und jubiliert allenthalben. Der Frühling kommt nun wirklich mit Macht, und obwohl man von den politischen Machtdemonstrationen einiger Herren mehr als genug hat, lässt man es sich vom Lenz gerne gefallen. Am Montorge bei Sion stehen die Mandel- und Kirschbäume im Blust, die Hänge sind voller Berganemonen, der Wald schmückt sich mit Leberblümchen, und entlang der Suone schießt die Färberwaid in die Höhe. Es fehlt eigentlich nichts zum Glück. Außer den Grasfröschen und Erdkröten, die sich dieses Jahr rar machen.

Ohne Insekten keine Frösche
Das Rhonetal war früher ein einziges Amphibienparadies. Das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten aus mancherlei Gründen geändert. Die Trockenlegung zahlreicher Teiche und Weiher in der Ebene, die Erweiterung des Straßennetzes und Insektizide werden als die wichtigsten genannt. Laut dem Walliser Biologen Pierre-Alain Oggier ist der Grasfrosch jedoch erstaunlich berggängig und wurde sogar im Riffelsee oberhalb von Zermatt auf 2757 m ü.M. gesichtet. Ob es dort Nachwuchs gibt, ist nicht erwiesen, aber im See von Morgins, auf 1366 m, war sein Brutgeschäft erfolgreich: 1985 wurden dort rund tausend Grasfrösche gezählt. Grasfrösche sind sehr anpassungsfähig und vollbringen bei ihrer Wanderung zum Laichplatz eine beeindruckende Leistung. Ihr Ziel ist der Weiher, in dem sie aus dem Ei geschlüpft waren und sich zum Fröschlein entwickelt hatten.

Eigentlich sollte im kleinen Lac de Montorge und den umliegenden Tümpeln momentan Hochbetrieb herrschen. Die meteorologischen Verhältnisse sind ideal: Es hat mehrmals geregnet bei milden, frühlingshaften Temperaturen. Dennoch sieht und hört man nur ein paar vereinzelte Tiere, und auch die Laichklumpen sind rar. Dasselbe gilt für die Erdkröten, die noch vor dreißig Jahren im Wallis bis auf eine Höhe von 1500 m in zum Teil bemerkenswert großen Populationen vorkamen. Wenn es jedoch so wenig Insekten gibt wie letztes Jahr, ist es nicht erstaunlich, dass die Bestände der Frösche und Erdkröten schrumpfen.

Damit wären wir wieder einmal bei den Pestiziden. Migros und Coop haben beschlossen, ihren Gemüse- und Obstlieferanten in dieser Beziehung noch genauer auf die Finger zu schauen. Dadurch sollen nicht nur die Konsumenten, sondern auch die Arbeiter und die Umwelt geschont werden. Für die Tierwelt ist das eine gute Nachricht. Die beiden Großverteiler halten sich dabei an die Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO. Für das Bundesamt für Landwirtschaft geht das jedoch zu weit. Man halte sich vorläufig an die bestehenden eidgenössischen Vorschriften. Neuste amerikanische Studien über Neonicotinoide deuten übrigens darauf hin, dass diese Stoffe nicht nur Bienen und andere Insekten schädigen, sondern sich auch auf das menschliche Gehirn negativ auswirken könnten.

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind!
Die Schweiz rühmt sich, wo sie kann, ihrer wunderschönen Landschaft, die Touristen aus allen Ecken der Welt anlocken soll. Der Tourismus ist denn auch für unser Land ein enorm wichtiges Standbein, selbst wenn es hier und dort etwas schwächelt. Zermatt, Verbier, St. Moritz, Gstaad sind die Highlights, aber auch die übrigen Alpentäler und der Jura werden von den Ausländern und Einheimischen geliebt, weil hier die Welt noch einigermaßen intakt wirkt.

Und nun will unser Bundesrat dieses Juwel mit Windturbinen zerstören. Der Gewinn an «sauberer» Energie ist lächerlich gering, das ficht jedoch unsere Regierung nicht an.

Der Verband «Freie Landschaft Schweiz» versucht, diesen Irrsinn abzuwenden: «1000 Windkraftwerke sind nötig, um das Ziel der Energiestrategie 2050 von 4.3 Terawattstunden Windstromproduktion zu erreichen. Nur gerade 6% wären so durch die Windkraft gedeckt. (…) Die Windturbinen bringen einen gravierenden Schaden für die am meisten geschützten und bekannten Landschaften unseres Landes. Gemäß den kürzlich veröffentlichten Schweizer Studien sind 30 000 bis 70 000 getötete Vögel pro Jahr zu erwarten, so auch geschützte und vom Aussterben bedrohte Arten.»

Das sind allzu viele Opfer für das bisschen Strom, der zudem bei Windstille ausbleibt. Dasselbe gilt für die Sonnenenergie bei bedeckten Himmel (man denke nur an den zähen Hochnebel über dem Mittelland im letzten Herbst und Winter). Der Verband empfiehlt darum dringend, am 21. Mai 2017 die Energiestrategie 2050 abzulehnen. Mehr unter www.freie-landschaft.ch.

Bleibt nur noch zu hoffen, dass der gesunde Menschenverstand der Windenergie-Lobby und ihren seltsamen Argumenten den Wind aus den Segeln nimmt.

 

  

DROHNEN STATT BIENEN?

drohne-und-blumeWährend in St. Moritz die Ski-WM die Gemüter erhitzt, wird es bei uns im Rhonetal frühlingshaft warm. Ungeachtet der verschneiten Berge wehen hier laue Lüfte, die in Erinnerung rufen, dass es bald wieder blühen wird im Tal der Aprikosenbäume. Für die Bienen geht die Winterpause dem Ende entgegen, die ersten dieser für den Obstbau so wichtigen Bestäuber wagen sich bereits jetzt ins Freie, um die Gegend zu erkunden. Ginge es nach dem japanischen Forscherteam von Eijiro Miyako, würden sie allerdings in ein paar Jahren nicht mehr gebraucht, da er sie durch Drohnen ersetzen will, allerdings nicht durch ihre männlichen Artgenossen, sondern durch diese lästigen mechanischen Brummer.

beeBrutaler Blümchensex
Bereits 2013 präsentierten Forscher aus Harvard eine Mini-Drohne namens «Mobee», die das Geschäft der konventionellen Bestäuberbienen übernehmen sollte. Die Harvard Monolithic Bee wurde äußerlich einem Insekt nachempfunden und hat den Vorteil, gegen Pestizide unempfindlich zu sein. Und nicht nur das. Laut den Deutschen Wirtschafts-Nachrichten würden die Roboter-Bees die umweltgestressten Bienen entlasten: «Ein Ökosystem besteht aus einem natürlichen Kreislauf. Daher ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die künstlichen Insekten durch ihre Arbeit die Population ihrer natürlichen ‹Artgenossen› sogar fördern.» Je mehr Arbeit die motorisierten Drohnenbienen übernehmen, desto stärker würden sich wieder Blütenpflanzen vermehren. Und um so leichter hätten es die heute häufig geschwächten Bienenschwärme, sich dank diesem ergiebigeren Angebot zu erholen. «Denn durch die künstliche Helferbiene (Mobee) werden die Wege für die echten Bienen kürzer, und ihre Nahrung wird reichhaltiger. Dadurch können sie Energie sparen, die sie in den Bau des Bienenstocks und in die Bildung von Nachwuchsgenerationen stecken können.»

Das Blatt beurteilt die Entwicklung solcher Helferlein positiv, falls nicht noch mehr Lebensraum der Bienen durch Pestizide vernichtet wird. Und meint augenzwinkernd, dass die beste Lösung der Drohnen-Mensch wäre, da er weniger unberechenbar als die Wesen aus Fleisch und Blut sei. Was ist aus der Mobee geworden?

drohneInzwischen hat ihr eine japanische Konkurrentin die Show gestohlen. Diese etwa vier Zentimeter große Drohne imitiert kein Insekt, sondern sieht wie ein buntes, mit Propellern ausgestattetes Kinderspielzeug aus. Das Revolutionäre ist die aus einem besonderen Gel und Pferdehaaren bestehende Vorrichtung, an der die Pollen haften. Ein Kurzfilm zeigt sie beim Bestäuben einer Lilie, und es ist kein erfreulicher Anblick. Geräuschvoll stürzt sich die Maschine auf die Blüte und scheint ihr einen Kinnhaken zu versetzen. Ein brutales Schauspiel, und ob die Bestäubung gelungen ist, scheint mir fraglich. Der Besuch einer echten Imme ist im Vergleich dazu ein zärtliches Liebesspiel.

Flügellahme Wildbienen
deform1Für die Landwirtschaft ist der Rückgang der Bienen nach wie vor ein Problem, daran haben diese technischen Kuriositäten bislang nichts geändert. Dass dabei auch die Wildbienen eine wichtige Rolle spielen, kommt im «Schweizerbauer» vom 2. Februar 2017 zum Ausdruck. Weltweit würden «1,4 Milliarden Arbeitsplätze sowie drei Viertel des landwirtschaftlichen Anbaus» von Bienen abhängen. Doch da ist Gefahr im Verzug: Ein neuentdecktes Virus, das durch winzige Milben übertragen wird, deformiert die Flügel von Wildbienen. Dadurch werde nicht nur das Sammeln von Blütennektar erschwert, es verkürze auch die Lebenserwartung der befallenen Individuen. Die Untersuchung der Flugrouten von mit Sendern ausgestatteten infizierten und gesunden Bienen soll genauere Informationen über den neuen Feind und dessen Auswirkungen bringen.

groozigdoseZum Schluss noch dies
Junge französisch- sprachige Walliser haben 2014 ein Startup zur Kommerzialisierung essbarer Insekten gegründet (www.groozig.com). Seither betreiben sie eine gut gemachte Internetseite, knüpfen Kontakte zu Züchtern, Köchen und der Presse. Nun planen sie, einen Concept Store unter ihrem Namen «Groozig» zu eröffnen. Vermutlich soll der witzig sein, aber ist er auch verkaufsfördernd? Für Deutschschweizer bedeutet gruusig nämlich nichts anderes als widerlich, ekelerregend und grausig…

 

FEHLT DIE BEUTE, HILFT NUR NOCH BETEN

«Morgen, Kinder, wird’s was geben…» Ja, es ist Vorweihnachtszeit mit allem, was dazugehört: Weihnachtsmärkte, Ohrwürmer wie Jingle bells, jingle bells, jingle all the way in den Warenhäusern, Nikolaus-Skirennen, Glühwein, Einkaufsstress allenthalben… Nur etwas fehlt: der Schnee. Jedenfalls im Wallis sind nur die Gipfel weiß, die Sonne verteidigt ihren Platz hartnäckig. Auch schön, so konnten wir gestern im Rebberg noch einige Trauben pflücken und eine putzmuntere Heuschrecke beobachten.

blog-51Gottesanbeterin auf dem Vormarsch?
Den meisten Zeitungen war es mindestens eine Spalte wert: Die Gottesanbeterin ist zum Insekt des Jahres 2017 erkoren worden. Im Gegensatz zum Star von 2016, dem weitgehend unbekannten Dunkelbraunen Kugelspringer, bietet diese Fangheuschrecke genügend Stoff. Sogar der seriöse deutsche Naturschutzbund bezeichnet sie als «Femme fatale, Vorbild für Kung-Fu-Kämpfer und japanisches Symbol der Wachsamkeit, Geduld und Beständigkeit». Ihren Ruf als Gattenmörderin, die «ihre Männchen nach dem Sex frisst» (NZZ am Sonntag), macht die Gottesanbeterin auch für Menschen zum Faszinosum, die sich sonst nicht sehr für Insekten interessieren. Dahinter steckt jedoch keine sinnlose Brutalität; das (gelegentliche) Opfer des Männchens ist sogar biologisch sinnvoll, da es als Energielieferant für das befruchtete Weibchen dient, das wenige Tage später bis zu 200 Eier in einer Schaummasse ablegt. Dieser Schaum wird so hart, dass er hungrigen Vögeln widersteht und sogar sehr tiefe Temperaturen dem Gelege nichts anhaben können.gottesanbeterin-kopulation

Die Europäische Gottesanbeterin ist ursprünglich von Afrika eingewandert und hat sich allmählich gegen Norden ausgebreitet. Sie mag es warm und möglichst trocken. Die Wahl des deutschen Kuratoriums wird vom NABU wie folgt kommentiert: «In Deutschland kam das Insekt des Jahres 2017 lange Zeit nur in Wärmeinseln wie dem Kaiserstuhl bei Freiburg vor.

blog-51-oothekMittlerweile aber wurde die Gottesanbeterin mit Ausnahme von Niedersachsen und Schleswig-Holstein bereits in allen deutschen Bundesländern nachgewiesen. Einige der Fundorte mögen auch auf Verschleppung als unbeabsichtigtes ‹Urlaubsmitbringsel› aus dem Süden zurückgehen. Aber insgesamt ist die Art ein gutes Beispiel für die Auswirkungen des globalen Klimawandels auf die mitteleuropäische Tierwelt. Mit steigendem Temperaturen wird sich die Gottesanbeterin voraussichtlich immer weiter ausbreiten.»

Wärme allein genügt jedoch nicht. Wenn die Larven im Spätfrühling schlüpfen, benötigen sie ein reiches Nahrungsangebot an noch kleineren Insekten, denn sie müssen innerhalb von gut zwei Monaten von 6 mm auf 6 cm (Männchen) oder gar 7,5 cm (Weibchen) heranwachsen. Und nicht nur das: sie müssen auch genügend fit sein, um sich im August fortzupflanzen.blog-51beute So selbstverständlich, wie es scheint, ist das nicht, vor allem in einem verregneten, kalten Frühjahr wie jenem von 2016. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Der Bestand an Gottesanbeterinnen ist in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen, und zwar in der Ardèche wie im Wallis. Und diesen Sommer war es besonders schlimm. Da hilft nur noch beten!

Die Rebzikade singt nun auch im Wallis
blog-51-rebzikade Nach der Kirschessigfliege sorgt ein weiteres Insekt für Probleme: Die Amerikanische Rebzikade hat sich diesen Herbst auch im Wallis manifestiert. Sie wurde in den 1940er Jahren aus Übersee eingeschleppt und breitete sich allmählich in Europa aus. Scaphoideus titanus misst zwar bloß 5 mm, riesig sind hingegen die Schäden, die die Goldgelbe Vergilbung anrichten kann, die von ihr übertragene Rebenkrankheit. Und sie ist besonders schwierig zu bekämpfen.

blog-51-rebzikade-schadenNeben strenger Kontrolle, Hygiene und Pflanzenschutzmitteln, die großräumig eingesetzt werden müssen, sollen laut Wikipedia bzw. dem Österreichischen Weinbauverband auch die umliegenden Wälder und Gärten einbezogen werden: «Innerhalb ausgewiesener Befalls- und Sicherheitszonen gelten weiter folgende Regelungen. Aufgelassene Weingärten, Vermehrungsflächen, Weinhecken usw. sind bis Ende Mai in einen ordnungsgemäßen Pflegezustand zu bringen oder zu roden. Waldreben (Clematis vitalba) auf bepflanzten Grundstücken und an benachbarten Waldrändern sind zu entfernen. Ihre Wiederaustrieb ist zu verhindern. Sämtliche Weingärten, Weinhecken, Weinlauben sowie einzelne Rebstöcke sind gemäß den behördlichen Vorgaben zu behandeln.» Verständlich, dass die Rebbauern keine Freude an diesem Einwanderer haben.

 

KATASTROPHALES JAHR FÜR INSEKTEN UND BIOBAUERN

pflaumenbaum-hoch-300-flEin Bekannter schenkte uns einen großen Korb Zwetschgen aus dem eigenen Garten. Er habe den Baum nur einmal gespritzt, vor der Blüte, um die Bienen zu schonen. Das ist mir natürlich sympathisch, und ich machte mich sogleich an die Arbeit. Die Freude hielt jedoch nicht lange an, denn die weichen, reifen Früchte waren verwurmt, die übrigen hart mit einem braunen Belag im Innern und einem seltsamen Geruch. Als meine 83jährige Nachbarin Lory die Bescherung sah, rümpfte sie die Nase und meinte: «Zwetschgenfäule! Zu wenig gespritzt.» Na ja, sie ist eben noch von der alten Schule, dachte ich.140922-nabu-wespe-frisst-an-zwetschge-helge-may

Nun stellte ich die Zwetschgen in den Garten, damit wenigstens die Wespen etwas davon hätten. In der herrschenden Sommerhitze wurden sie rasch weich und begannen zu saften. Für das Wespenvolk ein gefundenes Fressen! Doch die blieben aus… Ich sah jedenfalls keine, obwohl sie sich jetzt im Herbst gierig auf reifes Obst stürzen sollten.

Insektenschwund allenthalben
Sogar der «Blick» verkündete vor ein paar Tagen im Internet in fetter Schlagzeile, dieses Jahr gebe es kaum Wespen und Mücken. Als Ursache wurden unter anderem der verregnete, kühle Frühling, der heiße, trockene Sommer und die Pestizide genannt.

schmetterling3Dem «Spiegel» Nr. 37 ist der Rückgang der Falter zwei Seiten wert. «Nie zuvor flatterten weniger Schmetterlinge über Europas Felder und Weiden. Die ausgedehnten Agrarsteppen bieten vielen Faltern keine Heimstatt mehr.» Und es heißt sogar, 2016 könne das schlimmste Jahr in der Geschichte der Falter werden. Allerdings können die Experten im Grunde genommen auch nur Vermutungen anstellen, warum die Schmetterlinge auszusterben drohen. Als Hauptschuldige werden großflächige Agrarsteppen wie die riesigen Maisäcker für die Produktion von Bioenergie genannt, aber auch die allgemeine Überdüngung und natürlich die Pestizide. Dazu ist zu sagen, dass es in der Schweiz keine so riesigen Monokulturen wie in Deutschland gibt, dafür ist es bei uns zu kleinräumig. Dennoch gibt es auch hier deutlich weniger Schmetterlinge als noch vor einigen Jahren. Ob der Klimawandel dabei eine Rolle spielt, wie die deutschen Experten glauben, kann ich nicht beurteilen. Falter gibt es schließlich auch in wesentlich wärmeren Regionen.

Geht’s ganz ohne?
Was die Pestizide betrifft, war dieser Frühling und Sommer für zahlreiche Biobauern ein echter Alptraum. Die chaotischen Wetterverhältnisse dieses Frühlings mit viel Regen, Hagel und Frost, gefolgt von einem ungewöhnlich heißen und trockenen Sommer, war für alle Landwirte und Winzer eine Herausforderung.

In Frankreich waren wir diesen Sommer auch als Konsumenten mit den Auswirkungen konfrontiert. Es wurde wesentlich weniger Gemüse und Obst geerntet als in anderen Jahre. Das ließ die Preise in die Höhe schnellen. Preistreibend wirkten sich zudem die Kosten für die Pflanzenschutzmittel aus: Es musste mehr gespritzt werden. Besonders betroffen waren Kartoffeln , Erdbeeren und Melonen. Für Kartoffeln bezahlte man im Durchschnitt 36,9% mehr als 2015.

marche-d-aix-en-provenceDabei war es für uns Schweizer dennoch immer wieder erstaunlich, wie viel Gemüse und Früchte man am Wochenmarkt unseres Dorfes für ein paar Euro in den Korb packen konnte… Anders sah es dann bei «Satoriz» in der Nähe von Valence aus, der Niederlassung einer Bioladen-Kette, in der man fast alles findet, was das Herz begehrt. Hier kostete das Körbchen Erdbeeren zu 250 Gramm satte 6,90 Euro, ein Kilogramm Bohnen 7 Euro und die Kartoffeln (mit viel Erde dran) 4,10 Euro. Für französische Verhältnisse ist das enorm. Biofrüchte waren diesen August im Schnitt 70% und Biogemüse sogar 78% teurer als die vergleichbaren Produkte aus konventionellem Anbau. Damit war für etliche Kunden die finanzielle Schmerzgrenze überschritten. Und einige Bio-Landwirte sehen sich nun gezwungen, eine andere, «weichere» Lösung zu suchen, um ihre Existenz zu sichern und ihre Prinzipien dennoch nicht gänzlich zu verraten.

Dilemma der Winzer
Bioweine und sogenannte Naturweine sind mehr denn je gefragt. Für den diesjährigen Schweizer Bioweinpreis, den die Zeitschrift «Vinum» gemeinsam mit Bio Suisse vergibt, wurden 140 Muster eingereicht. Das Bundesamt für Statistik beziffert die Ausgaben von Schweizer Privathaushalten für Nahrungsmittel und Getränke anno 2013 auf über 8% der Gesamtausgaben. Und das Bundesamt für Umwelt BAFU lobt die Winzer: «Eine eigentliche Erfolgsgeschichte schreibt der Rebbau. Dort ließ sich der Einsatz von Insektiziden in den vergangenen 20 Jahren deutlich reduzieren. Zum Erfolg führte einerseits, dass die Rebberge als Ökosystem angesehen wurden, und andererseits, dass engagierte Winzer und Verbandsvertreter neuen Konzepten zum Durchbruch verhalfen.»

csm_20071115_04_01_006_a4_2e8f178b0dDie französischen Biowinzer, die das Label behalten wollten, mussten dieses Jahr einen Ernteverlust von 20 bis 40% hinnehmen. Andere entschlossen sich, dennoch Chemie einzusetzen, um die Traubenernte wenigstens teilweise zu retten. Dadurch verlieren sie für ihren Jahrgang 2016 und die betroffenen Parzellen das Bio-Zertifikat… und erhalten es frühestens in drei Jahren zurück. Ein zusätzliches Problem ist, dass die französischen Banken das ökologische Engagement nicht unterstützen. Das macht es noch schwieriger, eine wetterbedingte Flaute zu überleben.

PS: Bayer übernimmt Monsanto für 66 Milliarden Dollar. Der Konzern will durch diese Fusion «dazu beitragen, die stark wachsende Weltbevölkerung auf eine ökologisch nachhaltige Weise ernähren».

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

BIENENFEST KONTRA KEROSIN

 

dsc01252Zuerst die gute Nachricht: Im Kanton Wallis ist die Imkerei im Aufwind, das Interesse der Jungen an der Bienenzucht ist in den letzten Jahren gestiegen. Die Organisatoren des Bienenfests «L’Abeille en fête», das vom 1. bis 4. September in Martigny stattfand, sind mehr als zufrieden. Schulklassen, Familien mit Kindern, aber auch ältere Semester begutachteten die über siebzig Stände mit Produkten aus der «Bienenwerkstatt» (Honig, Wachs, Propolis…), degustierten und kauften, machten sich bei den Fachleuten schlau, staunten, spielten, besuchten Vorträge, begutachteten die kunstvoll bemalten Bienenhäuschen und tauchten mit dem Film «Apis Mellifera» in eine Welt ein, die selbst gestandene Imkerinnen und Imker so noch nie gesehen haben.dsc01251

Bienen filmen in der Küche

Jean-Baptiste Moulin war Förster, ist Multimedienkünstler (siehe www.videalp.com) und imkert seit fünfzehn Jahren. Seinen ersten Film über Bienen drehte er 2003. 2006 folgte ein zweiter über die Ausbildung zum Bienenzüchter, 2010 der dritte über die Herstellung der diversen Produkte. Das geheimnisvolle Leben und Wirken dieser Insekten fasziniert ihn nach wie vor. Dieses Thema sei unerschöpflich, verlange jedoch eine Menge Geduld. In seinem neusten, 25 Minuten dauernden Epos rückt er seinen Pfleglingen noch näher auf den Leib, zeigt in Makroaufnahmen anatomische Details, schaut ihnen beim Füttern der Larven und Einbringen des Pollens zu.

promo_jb2Die intimen Einblicke entstanden einerseits in den Bienenstöcken, andererseits in einem kleinen Wohnwagen, den der Walliser mit vier Bienenvölkern bzw. über 120 000 Bienen als Schauspielern ausgestattet hatte. «Man muss erfinderisch sein, denn die Insekten dürfen nicht gestresst werden.» Er ging so weit, Situationen zu inszenieren, auf die die Bienen reagierten. Um ihr Verhalten noch genauer zu studieren und aufzuzeichnen, richtete er einen kleinen Stock mit ungefähr hundert Bienen in der heimischen Küche ein… (der Mann wird wohl Junggeselle sein). Der Aufwand hat sich offensichtlich gelohnt, die Zuschauer sind begeistert, und vielleicht spielt der eine oder die andere mit dem Gedanken, sich noch intensiver mit dem Universum von Apis mellifera zu beschäftigen.

Ungeachtet aller positiven Aspekte, die mit der Bienenzucht verbunden sind, wurden die Probleme auch an der Veranstaltung in Martigny nicht verschwiegen. Zur Bedrohung durch die Varroamilbe, Pestizide und den Kleinen Bienenstockkäfer gesellt sich wahrscheinlich früher oder später die Asiatische Hornisse, die bereits in fast ganz Frankreich verbreitet ist. Das soll jedoch die Jungen und weniger Jungen nicht von der Imkerei abhalten. Dank guter Ausbildung hofft man, auch diese Gefahren wenn nicht auszumerzen, so doch unter Kontrolle zu halten. Mehr unter www.labeilleenfete.chdsc01254

Ein Savoyarde kämpft fürs Insektenwohl

Jacques Fabry ist der festen Überzeugung, dass die Hauptverantwortlichen für den Insektenschwund nicht die Pestizide, sondern die Flugzeuge sind. Seit Jahren beobachtet er den Himmel, der vom rasant zunehmenden Flugverkehr vernebelt werde. Für Bienen wie alle andern Insekten sei dies eine Katastrophe, da sie sich auf ihren Flügen am Licht orientieren. Durch den Ausstoß von Kerosin, vermischt mit Schmutzpartikeln und Wasser, bilde sich ein nahezu permanenter Nebelschleier. Seit Jahren dokumentiert er diese Umweltverschmutzung mit Fotos und Videos, protokolliert seine Beobachtungen, stellt sie in seinen Blog (siehe www.over-blog.com) und klärt die Medien, Behörden und Wissenschaftler über seine Theorie auf. Die von ihm begründete «Avioklimatologie» sollte seiner Ansicht nach längst an Universitäten gelehrt werden.

jacques-fabry-avioclimatologue-estime-que-la-surmortalite-des-abeilles-est-du-a-la-pollution-atmospheriqueDer 64jährige Autodidakt hat die Auswirkungen dieses «Treibhausdachs» vor allem bei den Honigbienen studiert. «Sie sind vollständig desorientiert, torkeln wie betrunken durch die Luft, fliegen sinnlos im Kreis herum, überschlagen sich und finden ihren Stock nicht mehr.» Wegen des verschleierten Himmels nehme zudem die Produktion der Blütenpflanzen ab, was zu Nahrungsmangel der Pollensammler führe. All dies zusammen bedeutet: mehr Krankheiten, höhere Sterberaten, geringere Honigproduktion und schlechtere Bestäubung der Nutzpflanzen. Und wie löst man dieses Problem? «Es muss versucht werden, normale Lichtverhältnisse zu schaffen. Man muss neue Triebwerke entwickeln, die das Wasser auffangen, das sie ausstoßen.» Werde nichts unternommen, ende dies mit Sicherheit in einem weltweiten Desaster. Und bis jetzt habe er leider mit seinen diesbezüglichen Prophezeiungen immer recht gehabt…

PS: Zwei Forscherinnen der Uni Bern haben soeben bekanntgegeben, dass die Pflanzen bei Kunstlicht nachts von Insekten weniger bestäubt werden und selbst weniger Samen produzieren, als wenn sie ausschließlich vom Mond und den Sternen beschienen werden. Ich werde auf diese interessante Studie nächstens zurückkommen!

 

FRANKREICH HOLT MÄCHTIG AUF

44 L'Eyrieux_du_pont_de_Saint_Sauveur_de_MontagutWenn wir unseren Schweizer Besuchern  im Eyrieuxtal in der Ardèche vorschlagen, ein Bad im Fluss zu nehmen, reagieren sie meist misstrauisch. Gewiss, das Wasser ist nicht glasklar, und die Steine sind mit Algen überzogen. Aber wie steht’s mit der Reuβ, der Aare, dem Rhein oder der Rhone? Immerhin wird das Wasser des Eyrieux im Sommer zweimal im Monat auf seine Sauberkeit überprüft, und seit 1997 wacht das Syndicat Eyrieux Clair über den Fluss und sein Einzugsgebiet.

44 Einzugsgebiet EyrDazu gehört auch Aufklärungsarbeit bei Schülern und Erwachsenen, Kleingärtnern und Landwirten, Gewerbe und Industrie. Ein Beispiel: Am 16. Oktober finden in unserem Dorf im Rahmen der Fête de la Science 2016 unter dem Motto «Gärtnern ohne Pestizide ist möglich» verschiedene Anlässe mit dem Ziel statt, die Bevölkerung für den Gewässerschutz und die davon profitierenden Tiere zu sensibilisieren. Es sollen sich inzwischen sogar wieder einige Fischotter angesiedelt haben!

44 otterDas war nicht immer so: Noch vor fünfzehn, zwanzig Jahren gehörten Müllhalden sozusagen zum Landschaftsbild. Sie wurden von Zeit zu Zeit einfach angezündet, und dabei floss so einiges in den Fluss, das dort nicht hingehört. Heute stehen in jedem Quartier Container für die getrennte Abfallentsorgung zur Verfügung, und Kläranlagen reinigen das Abwasser. Mehr unter: www.eyrieux-clair.fr/

44 dephy bildNicht bio, aber besser als vorher
Seit 2008 gibt es «Dephy», ein Netzwerk von Landwirtschaftsbetrieben, denen es ein Anliegen ist, möglichst wenig Pestizide einzusetzen. In ganz Frankreich bemühen sich heute 1900 Mitglieder, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf ein Minimum zu reduzieren. Im Süden sind es vor allem Wein- und Obstbauern, die sich von den Dephy-Fachleuten beraten lassen, um ein gutes Gleichgewicht zwischen Ertrag und Umweltschutz zu erreichen. Die meisten wollen zwar den Schritt zum biologischen Landbau nicht machen, suchen aber dennoch nach alternativen Möglichkeiten, mit denen sie und die Konsumenten besser leben können.

44 Dephy-beraterinDephy-Beraterinnen und -Berater begleiten die Landwirte und Winzer, mit denen es das Wetter dieses Jahr nicht besonders gut meinte. Maud Bonnefoux, die elf Weinbauern in der Südardèche berät, betrachtet die Pflanzenschutzmittel als eine Art Medikament, das mit groβem Fingerspitzengefühl eingesetzt werden muss. Um die richtige Dosierung zu finden, schätzt sie mit geübtem Blick die Menge des Blattwerks ein. Auβerdem werden zum Versprühen «hyper-technische» Geräte verwendet, die Millimeterarbeit leisten. Die Winzer sind zufrieden: Sie konnten ihren Pestizidverbrauch immerhin um ein bis zwei Drittel reduzieren. Und sie hoffen selbstverständlich, dass es noch besser wird.

Regional und saisonal
44 Ferme du Pin BesitzerAuf dem Bauernhof Le Pin bei Valence im Rhonetal ist seit acht Jahren Selbstbedienung Trumpf. Auf ihrer hervorragenden Internetsite www.lafermedupin.fr stellen Brigitte und Denis Cortial sich und ihren 4,5 Hektar groβen Garten ausführlich vor. Man erfährt dort, was wann geerntet werden kann, und wie das funktioniert. Beratung für Anfänger und das dazu benötigte Material stehen zur Verfügung; mit rund 30 Sorten ist die Auswahl an Gemüse und Beeren reich; und die Preise sind mehr als anständig, jedenfalls für Schweizer Verhältnisse. Auf Bestellung können zudem auch Hühner aus Freilaufhaltung und Eier gekauft werden.

44 Ferme du Pin KarettenUnd wie wird das alles produziert? Auf ihrer Homepage erklären die Cortails ihre Philosophie und ihre Methode(n) ausführlich. Demnach halten sie sich weitgehend an die Richtlinien der biologischen Landwirtschaft, wollen sich jedoch nicht durch ein Label in ein Korsett zwängen lassen. So wird ausschlieβlich von Hand oder maschinell gejätet, Herbizide und Insektizide werden nicht verwendet. Auch mit Fungiziden ist man zurückhaltend und setzt, falls nötig, nur die auch im Bio-Landbau erlaubte Bordeaux-Brühe auf Kupferbasis ein. Als Dünger kommen zu 95% organische Mittel auf die Felder, und die restlichen 5% Chemie seien für die Konsumenten unbedenklich. Ihr Motto lautet: Wir wollen möglichst natürlich und verantwortungsbewusst produzieren, aber nicht riskieren, die Ernte zu verlieren. Und wir legen groβen Wert auf Qualität und Geschmack.

44 Ferme du Pin WagenIhre Kundschaft dankt diesen Einsatz (sie arbeiten beide rund 70 Stunden pro Woche) mit Treue. Immer mehr Franzosen schätzen es, wenn sie wissen, woher die Nahrungsmittel stammen und wie sie hergestellt wurden. «Lokal» und «saisonal» ist ein Trend, der an Bedeutung gewinnt. Dazu kommt, dass das Selberernten für viele Familien zum Erlebnis wird, das auch den Kindern Spaβ macht. Ein junger Mann bringt es auf den Punkt: «Diese Gemüse haben einen besonderen Wert. Einerseits sind sie besser und gesünder, sie bieten uns jedoch auch die Gelegenheit, die Landwirte unserer Region zu treffen und die lokale Wirtschaft zu unterstützen!»

 

 

 

 

 

 

INSEKTENFALLE KUNSTLICHT

Les OllieresIn unserem Eyrieux-Tal, das zum Schutzgebiet Natura 2000 auserkoren wurde, machen sich die Insekten diesen Sommer noch rarer als in den vergangenen Jahren. In den letzten fünf Wochen habe ich ein einziges junges Grünes Heupferd gesichtet, einige wenige Libellen sowie Tag- und Nachtfalter, die wir heute als Ausnahmeerscheinung bestaunen. Bis heute zeigte sich bei uns noch keine Gottesanbeterin. GottesanbeterinDabei waren sie früher häufig, doch offenbar ist das Nahrungsangebot für diese Insekten, die selbst hauptsächlich Insekten erbeuten, allzu mager. Auch Wespen und Hornissen lassen sich bisher höchst selten blicken, um sich am Schinken auf dem Teller zu bedienen, und die beiden brandmageren Winzlinge von Mauereidechsen scheinen auch auf dem Hungertripp zu sein… Erschreckend daran ist unter anderem, dass man sich an diesen Zustand, der ja auch seine angenehmen Seiten hat, nur allzu rasch gewöhnt. Und wer, wie so viele, auch draußen in der Natur nur noch Augen für das Smartphone hat, nimmt sowieso nicht viel von solchen Veränderungen seiner Umgebung wahr.Grünes Heupferd

Im Dorf soll’s dunkler werden
Dieses Wochenende fand in ganz Frankreich die 26. Ausgabe der Nuit des étoiles, der Nacht der Sterne, statt. Rund vierhundert Veranstaltungen widmeten sich der Astronomie und dem Problem, das die künstlichen Lichtquellen Mensch und Tier bereiten. Eine davon wurde im Nachbardorf Les Ollières-sur-Eyrieux mit einem Vortrag und einer Ausstellung durchgeführt.Strassenlampe jpg

Anlässlich einer Arbeitswoche zu diesem Thema wurde beschlossen, die Lichter in der Gemeinde von diesem Herbst an nachts teilweise zu löschen. Die Bürgermeisterin erklärte diesen Entscheid folgendermaßen: «Es geht nicht darum, in die Steinzeit zurückzukehren, sondern im Gegenteil, mit seiner Zeit zu leben, indem man die Nachttiere und die Gesundheit von uns allen schützt. Außerdem spart die Gemeinde dadurch Geld, was nicht ganz unwichtig ist.» Les Ollières wird nicht die einzige Ortschaft in Frankreich sein, die sich dazu entschlossen hat, der Umwelt zuliebe etwas mehr Dunkelheit zu wagen.

Licht EuropaDie Zahlen zur Lichtverschmutzung sind denn auch beeindruckend, obwohl ich mir kaum vorstellen kann, dass sie sich derart präzis erfassen lässt. So sollen 80% der Menschheit in Gebieten leben, in denen die Nacht durch Kunstlicht beeinflusst ist. Über 99% Europas und Amerikas seien davon betroffen. Der Lichtersmog sei der zweitwichtigste Grund für den Insektenschwund, gleich nach den Pestiziden. Laut einer Hochrechnung werden in Deutschland jede Nacht mindestens eine Milliarde Insekten durch Lichtimmissionen getötet. Obwohl ein Teil davon von Fledermäusen oder Vögeln verzehrt wird, haben Insektenfresser auch in Städten auf längere Sicht bestimmt das Nachsehen.

Kampf um Kirschen und Aprikosen
Das Motto dieses Blogs stimmt nicht immer mit der Wirklichkeit überein: Fast täglich berichten die Medien von Insekten, die sich schneller vermehren, als manchen lieb ist. Dazu gehört die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii), die aus Südostasien eingewandert ist und seit 2009 auch in der Schweiz und Frankreich ihr Unwesen treibt. Bei den Wein- und Obstbauern ist der orangefarbene Zweiflügler mit den knallroten Augen höchst unbeliebt. Er hat die diesjährige Kirschenernte in den französischen Departementen Drôme und Ardèche um rund die Hälfte schrumpfen lassen. Zahlreiche Landwirte geraten dadurch in eine finanzielle Notlage, etliche geben sich geschlagen und fassen einen Berufswechsel ins Auge. Kirschen SuzukiiDazu kommt, dass das zur Bekämpfung der Kirschessigfliege eingesetzte Insektizid Dimethoad in Frankreich seit Februar 2016 verboten ist, obwohl die für Bienen und andere Insekten gefährliche Substanz in anderen EU-Staaten und auch in der Schweiz nach wie vor zugelassen ist. Einige der betroffenen Jungbauern in der Ardèche finden dies ungerecht und beschlossen, etwas dagegen zu unternehmen. Protest! Sie versammelten sich am Samstagmorgen, 30. Juli, vor dem Regierungsgebäude in Privas und versuchten, mit den zuständigen Beamten eine Lösung zu finden. Man versprach ihnen eine finanzielle Entschädigung, konkret ist jedoch noch nichts festgelegt. Den Landwirten reicht das nicht, sie erwarten präzise Vorschläge, wie sie die «Suzuki» bekämpfen können, ohne dafür mehr Arbeit und/oder Geld zu investieren. UnbenanntDenn sie befällt nicht nur Kirschen und Trauben, sondern auch Aprikosen, Pfirsiche und Himbeeren. Wenn es so weitergehe, meint einer, werde es in der Ardèche bald keine Obstproduktion mehr geben. Dann importiere man künftig alles aus dem Ausland…

PS: Zecken sind zwar streng genommen keine Insekten, sondern Milben, und sie haben sich dieses Jahr auch in Südfrankreich extrem vermehrt. Eine davon hat vor ein wenigen Wochen den kleinen Hund eines Nachbarn mit einem Virus infiziert, das in wenigen Tagen zu seinem Tod führte!