WALLISER SCHWARZNASEN UND DIE DEUTSCHE EICHE  

 

Mit der sommerlichen Wärme haben schließlich doch noch einige Frösche und Erdkröten den Weg zum Montorge-See gefunden. Besser spät als nie! Es sind jedoch vermutlich noch weniger als vergangenes Jahr, und Insekten sind ebenfalls noch herzlich wenige zu entdecken. Da kommt die Nachricht wie gerufen, dass bei uns im Wallis in Sachen Umwelt etwas Mutiges geschieht.

Schafe statt Glyphosat
Der Nationalrat verkündete letzten Herbst, dass Glyphosat für Mensch und Umwelt gefahrlos sei und man es folglich mehr oder weniger bedenkenlos versprühen könne (mehr dazu im Blog vom 5. Januar 2018). Man müsse pro Tag 71 Kilogramm Teigwaren essen, bis sich schädliche Nebenwirkungen bemerkbar machten. Man wundert sich immer wieder, wie solche sogenannt wissenschaftlichen Daten zustande kommen.

desherbeuse-4Der Kanton Wallis lässt sich jedoch wieder einmal von Bern nicht beeindrucken und beschließt, eigene Wege zu gehen. Man will versuchen, auf öffentlichem Grund ohne oder jedenfalls fast ohne das Herbizid Glyphosat auszukommen. Reduziert wird hier bereits seit einigen Jahren: Wurden 2012 von staatlicher Seite noch 6000 Liter gespritzt, waren es im vergangenen Jahr noch 600 Liter für 600 Kilometer Straßenborde. Eine Alternativlösung ist heißes Wasser, das mit Hochdruck herausschießt. Eine andere Option sind Schafe, vor allem schwarznasige natürlich, die die Boden abgrasen sollen. So soll nicht nur die Biodiversität gefördert, sondern auch der Geldsäckel des Kantons geschont werden.

Im Burgstädtchen Saillon, das als eines der schönsten der Schweiz gilt, wird seit 2014 kein Herbizid mehr verwendet. Hier experimentieren die Pioniere mit Essig und heißem Wasser, um dem Unkraut zu Leibe zu rücken. Weil sich die Gemeinde dem sanften Tourismus verschrieben hat, wird der Rasen wo immer möglich durch Blumenwiesen ersetzt. Das wird nicht nur die Touristen, sondern auch die Insekten freuen.

SchwarznasenSchwarznasenschafe kann man auch vermehrt in den Rebbergen entdecken. Für die Winzer, die der Natur in ihren Parzellen mehr Raum gewähren wollen, ist die Haltung von Schafen eine neue Erfahrung. Da Bioweine an Beliebtheit gewinnen, haben die Vierbeiner auch einen gewissen Werbeeffekt. Sie mähen die Grünflächen zwischen den Rebzeilen und gelangen auch an Stellen, die schwer zugänglich sind. Doch sie haben auch die Sprossen, Blätter und Trauben der Rebstöcke zum Fressen gern, was ein gutes Management voraussetzt. Hängen die Trauben außerhalb ihrer Reichweite, können sie vom Frühling bis in den Spätherbst draußen bleiben. (Quelle: Le Nouvelliste)

Eichenwälder im SollingAttacken auf die deutsche Eiche
Letzten Sommer hat der Buchsbaumzünsler durch Kahlfraß in der Schweiz und in Frankreich Schlagzeilen gemacht, jetzt sorgt der Schwammspinner in Deutschland für Aufregung. Der unscheinbare Falter mag’s warm und trocken und kann sich explosionsartig vermehren. Dieses Jahr scheint er vor allem Eichenwälder in Bayern im Visier zu haben, weshalb die Forstverwaltung beschloss, mit Helikoptern insgesamt 1300 Hektar Eichenwald mit dem Insektizid Mimic zu besprühen. Mimic, das sonst im Obst- und Weinbau zum Einsatz kommt, hat allerdings den Nachteil, auch auf andere Schmetterlingsraupen sowie Fische und andere Wasserlebewesen tödlich zu wirken. Für Naturschützer und Insektenforscher ist das Grund genug, auf die Spritzaktion zu verzichten. Zudem wurden die längerfristigen Auswirkungen von Mimic auf den Wald noch nie untersucht.wsl_schwammspinner_raupe

Im Spiegel Nr. 17 beschreibt Manfred Dworschak das Für und Wider der verschiedenen Parteien recht ausführlich. Die Gegner der Spritzaktion argumentieren, dass die Population nach ieder Massenvermehrung von selbst wieder zusammenbricht und die Eichen den Kahlfraß überleben, indem sie wieder neu austreiben. Dem halten die Forstbehörden entgegen, das Risiko sei zu groß, denn wenn gar nicht gespritzt werde, «seien letzten Endes die gesamten befallenen Eichenbestände bedroht – und damit auch der Lebensraum vieler seltener Arten.»  schwammspi falIn Erinnerung ist die Schwammspinnerplage von 1993, als die haarigen Raupen sich besonders gefräßig und zudringlich benahmen. Damals wurden allein in Bayern 230 Quadratkilometer Wald mit einem Gift eingenebelt, das nicht mehr produziert wird. Fazit: «In der Tat geht es bei der Bekämpfung nur nach der gefühlten Gefahr. Gesicherte Fakten gibt es kaum. Niemand kann sagen, inwieweit der Wald Schaden nähme, wenn weniger gespritzt würde – oder auch gar nicht.»

wsl_erhebung_waldameisen_schweiz_nest_klPS: In der Schweiz wurden die Wälder meines Wissens bislang vom Schwammspinner noch nicht heimgesucht. Dafür ist nun die Luxusgastronomie hinter den Insekten her. Das Restaurant Silver in Vals serviert als Starter eines zwölfgängigen Menüs Waldameisen. Die – gesetzlich geschützten – Ameisen werden von Frühjahr bis Spätsommer ihrer «interessanten Säure» wegen gesammelt und in Öl eingelegt. Laut der Weltwoche will Koch Sven Wassmer damit Aufmerksamkeit erzeugen: «Aber die Ameisen machen geschmacklich Sinn: Sie sind Teil des hiesigen Ökosystems.» Abgesehen vom Geschmack, über den man streiten kann, wäre es wünschenswert, wenn Wassmer – 18-GaultMillau-Punkte und Aufsteiger des Jahres – den Waldameisen eine Chance ließe, auch weiterhin zu diesem Ökosystem zu gehören.

 

KALTE OSTERN, RADIKALE INITIATIVE

Der Osterhase ist dieses Jahr nicht zu beneiden, er hoppelt mit seinen Eiern unter Regen- und Schneeschauern durch die Lande. Zwar blühen in den Rebbergen die ersten Mandelbäume, doch die wenigen Erdkröten, die den Weg in den Montorge-See und die umliegenden Tümpel gefunden haben, lassen nur selten und höchst zaghaft von sich hören. Sie sind noch nicht so richtig in Fahrt gekommen, und Insekten sind ebenfalls kaum vorhanden. Trost bietet gegenwärtig der Wetterfrosch, der für die nächste Woche frühlingshafte Temperaturen verspricht. Möglicherweise beginnen dann auch die übrigen Kröten und Frösche zu den Laichplätzen zu wandern.

Baysanto: eine verhängnisvolle Ehe
Abgesehen von der ungewohnten Kälte Anfang April fröstelt es einen auch beim Lesen des Artikels im neusten «Spiegel» (Nr. 13) über die geplante Monsterhochzeit von Monsanto und Bayer. Ganz unschuldig, wie manche glauben, scheint laut dem deutschen Nachrichtenmagazin der amerikanische Pestizid- und Saatgutproduzent offensichtlich doch nicht zu sein. «In den letzten Monaten gab es eigentlich nur Schreckensnachrichten von Monsanto. Es wurden E-Mails öffentlich, die nahelegen, dass die Firma von den Gesundheitsgefahren ihres Verkaufsschlagers, des Totalherbizids Glyphosat, gewusst und sie wissentlich vertuscht habe. Dass das Unternehmen heimlich an Studien mitgearbeitet habe, die später als Arbeiten unabhängiger Wissenschaftler präsentiert und den US- und europäischen Aufsichtsbehörden untergejubelt worden seien. Beide Vorwürfe bestreitet Monsanto vehement.» Wie soll der Gigant auch sonst reagieren…

Es geht jedoch nicht mehr bloß ums Glyphosat, das sich als nicht absolut zuverlässig erwies, da gewisse Unkräuter dagegen resistent wurden und sich explosionsartig ausbreiteten. «Mittlerweile sind in den USA 34 Millionen Hektar Ackerland von Superunkräutern befallen. Eine neue, praktische Mixtur musste her – und damit nahm das Unglück seinen Lauf. Um weiter mit Saatgut und Unkrautvernichtern ein Milliardengeschäft machen zu können, griff Monsanto auf eine alte, aber hochumstrittene Chemikalie zurück.» Dicamba heißt dieses Spritzmittel, das den Nachteil hat, bei großer Hitze gasförmig aufzusteigen und mit dem Wind meilenweit transportiert zu werden. Landet es dann auf Feldern mit Pflanzen, die nicht gentechnisch gegen Dicamba resistent gemacht wurden (selbstverständlich von Monsanto), hat der Bauer eben Pech gehabt. Etliche Farmer wurden dadurch in den Ruin getrieben.
Die Macht von Agrochemiekonzernen trifft nicht nur US-Farmer mit Riesenflächen, auch die Kleinbauern in der übrigen Welt bekommen diese verhängnisvolle Abhängigkeit mehr und mehr zu spüren. Mit der Überbevölkerung haben die Giganten wie Monsanto, Bayer, Syngenta und Co. einen guten Trumpf in der Hand. Ob die Argumente der Naturschützer – Artenschwund, Monokulturen, Gesundheitsprobleme, Klima usw. – dagegen eine Chance haben, ist fraglich.

Die Königin des Schweizer Weins ist ebenfalls dafür
Auch in der Schweiz wird momentan viel über das Für und Wider von Chemie in der Landwirtschaft geschrieben und diskutiert. Grund dafür ist vor allem die Volksinitiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide». Wahrscheinlich wird es zur Abstimmung kommen: Von mindestens 100 000 gültigen Unterschriften, die bis Ende Mai benötigt werden, sind heute bereits 80 000 beieinander. Wird die Initiative angenommen, müssen Bauern und Winzer radikal auf jegliche chemisch-synthetischen Pestizide verzichten. Für die Umstellung erhalten sie eine Frist von zehn Jahren. Der Initiativtext geht jedoch noch viel weiter. Er fordert zudem: «Auch die Einfuhr zu gewerblichen Zwecken von Lebensmitteln, die synthetische Pestizide enthalten oder mit Hilfe solcher hergestellt worden sind, ist verboten.»
Die Walliser Star-Winzerin Marie-Thérèse Chappaz, die diesen Februar von Parker für zwei ihrer Süßweine mit 99 Punkten gekrönt wurde, steht voll und ganz hinter dieser Forderung. Ihre 11 Hektar Rebland werden seit 1997 biodynamisch bewirtschaftet. Das habe sie nicht getan, um die Qualität des Weins zu verbessern, sondern der Natur zuliebe, um einen lebendigen Boden zu erhalten. Persönlich glaube sie allerdings, dass die Frist zur Umstellung 15 Jahre betragen sollte.

Weniger begeistert vom Verbot synthetischer Pflanzenschutzmittel ist der Schweizer Bauernverband. Die Produktion werde um 30 Prozent zurückgehen, und die Preise würden um 20 bis 30 Prozent steigen. 2200 Tonnen Pestizide werden laut Verbandspräsident Markus Ritter derzeit auf Schweizer Böden versprüht. Für die Naturschützer sind das 2200 Tonnen zuviel. Sie finden, die Landwirte sollten sich mehr mit der Förderung von Nützlingen beschäftigen, in erster Linie Insekten. Die Konsumenten ihrerseits müssten ebenfalls ihren Beitrag leisten, indem sie bewusster einkaufen und konsumieren. Und bereit sind, mehr für Lebensmittel zu bezahlen. In dieser Hinsicht muss vermutlich noch ziemlich viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.

 

NACHTFALTER, GLYPHOSAT UND WIRBELSCHLEPPEN

Das neue Jahr beginnt stürmisch. Burglind beziehungsweise Eleanor, je nachdem, fegt übers Land und macht allen, die von Schneewanderungen, Skitouren und Waldspaziergängen träumen, einen dicken Strich durch die Rechnung.

Nachtfalter im Rampenlicht
Dafür bleibt genügend Zeit, um ins Museum zu gehen. Zum Beispiel in den ehemaligen Pénitencier in Sion/Sitten, wo in der kleinen, aber feinen Ausstellung «Noctuelles en lumière» die Nachtfalter im Mittelpunkt stehen. In der Schweiz sind rund 600 Arten bekannt, 500 davon sind im Wallis heimisch. Dank Hans-Peter Wymann, dem wissenschaftlichen Illustrator und Mitarbeiter des Naturhistorischen Museums Bern, können sie nun auch tagsüber anhand von 1800 Darstellungen besichtigt werden, und zwar direkt neben dem historischen Gefängnis in der früheren Kanzlei. Sie sind auch in einem voluminösen, vom hiesigen Naturmuseum gesponserten Buch veröffentlicht worden.
50 echte, aufgespießte Exemplare ergänzen die minutiös gemalten Schmetterlinge. Hat man Glück, führt einen die perfekt zweisprachige Biologin und Kuratorin Sonja Gerber durch die Ausstellung und macht die Besucher unter anderem auf Kuriositäten aufmerksam wie die Raupe, die sich täuschend ähnlich als Vogelkot tarnt… Bleibt nur zu hoffen, dass es sich nicht bloß um ein Memorial handelt, sondern die schönen Nachtschwärmer dereinst auch vermehrt wieder draußen, in der Natur, zu bewundern sein werden.
Geöffnet Dienstag bis Sonntag, 11–17 Uhr, bis zum 15. April 2018. http://www.musees-valais.ch

Mehr Glyphosat will der Bund!
Man hört und liest es fast täglich: Unsere Bauern sollen ökologischer handeln, weniger Pestizide spritzen und weniger Subventionen kassieren. Den Gewässern, den Konsumenten, den Insekten und der ganzen Umwelt zuliebe. Der Bundesrat hat zu diesem Zweck einen Aktionsplan mit 50 Maßnahmen erarbeitet, den der Schweizer Bauernverband unterstützt. Daraufhin verkündete Bundesrätin Doris Leuthard strahlend, das Bundesamt für Umwelt (Bafu) wolle den Grenzwert für den tolerierten Glyphosatgehalt in Schweizer Gewässern von 0,1 Mikrogramm pro Liter Wasser um den Faktor 3600 erhöhen. Man reibt sich Augen und Ohren, doch wir haben es richtig verstanden: Sage und schreibe 3600 Mal mehr von dem umstrittenen Gift darf künftig in Bächen, Flüssen, Teichen und Seen schwimmen. Ist das nicht ein tolles Weihnachtsgeschenk?

Die NZZ berichtete am 19. Dezember 2017 über den grotesken Bescheid aus Bern: «Die Befürworter der Trinkwasser-Initiative reagieren empört. Sie werfen dem Bafu vor, das Pestizidproblem auf dem Papier lösen zu wollen. Daniel Hartmann sagt, er sei ‚fast vom Stuhl gekippt‘, als er das gesehen habe. Hartmann hat während 25 Jahren im Bafu gearbeitet. ‚Was mein ehemaliges Bundesamt jetzt macht, ist peinlich‘, sagt er. Das sei, als würde man das Raserproblem mit einer neuen Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h lösen.» Doch der Nachfolger von Daniel Hartmann beim Bafu, Christian Leu, sieht das völlig anders. Es sei nicht die Aufgabe des Gewässerschutzes, zu beurteilen, ob Glyphosat für den Menschen tatsächlich krebserregend sei. «Wir sind dafür da, die Pflanzen und Tiere im Wasser zu schützen. Und für sie ist das Glyphosat, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Pflanzenschutzmitteln, erst ab einer deutlich höheren Konzentration als 0,1 Mikrogramm pro Liter ein Problem.»

Folglich scheint es dem Bafu logisch, den erlaubten Wert um den Faktor 3600 zu erhöhen. Worauf sich diese erstaunliche Zahl stützt, verraten weder die zuständigen Beamten noch Bundesrätin Leuthard.
Dass sich Glyphosat und Neonicotinoide häufig im Honig nachweisen lassen und zweifellos zum Bienensterben beitragen, scheint unserem Bundesamt für Umwelt entweder nicht bekannt oder vollkommen egal zu sein.

Insektenkiller Windmühlen?
Modirama Kopelke von der Firma Soltuuli, der Erfinder der neuartigen Zédolille-Windkraftanlage, hat mir kurz vor Weihnachten folgenden Mail geschickt: «Hinter den Propeller-Windmühlen bilden sich bis 20 bis 30 km lange Wirbelschleppen. Wirbelschleppen sind Kardan-Wirbelstraßen. Dort ist die Strömung chaotisch mit vielen Druckwechseln. Durch diese Wirbelschleppen können neben Ultraleichtfliegern auch keine Insekten fliegen. Ich sehe darin den wahren Grund für das momentane Insektensterben.» Auf seiner Homepage ist dieses Thema sowie vieles andere zum Windturbinen-Problem ausführlicher behandelt. Siehe: http://www.soltuuli.com

Ich habe dieses Mail zudem an Elias Meier vom Verband Freie Landschaft Schweiz weitergeleitet. Seine Antwort: «Vielen Dank für Ihre wertvolle Info. Mir war dies physikalisch stets bewusst, aber ich habe nicht daran gedacht, dass sich da ja sämtliche leichten fliegenden Lebewesen gestört fühlen können. Ich frage mich aber, ob dieser Korridor wirklich länger als ein paar hundert Meter werden kann.» Genau das habe ich mich auch gefragt. Gibt es Beweise dafür? Zahlreiche hochinteressante Infos darüber finden sich zum Beispiel unter «Der Tornado der Energiewende: Wirbelschleppen» http.//ruhrkultour.de. Etwa diese: «Das Renditemodell der Windparkbetreiber verpufft in der Wirbelschleppe. Hausbesitzer, die in der Nähe von Windkraftanlagen wohnen, müssen mit Beschädigungen an der Bausubstanz ihrer Häuser rechnen, bekommen die Schäden aber möglicherweise nicht von den Windparkbetreibern erstattet. Die Besitzer von Obstplantagen, die auf die Bestäubung der Obstpflanzen durch Bienen oder Insekten angewiesen sind, müssen ihr Unternehmen möglicherweise aufgeben.»

BRAUCHT DIE OECD NACHHILFEUNTERRICHT?

 

Seit der Entomologische Verein von Krefeld diesen Sommer das Ergebnis seiner während der letzten 30 Jahre durchgeführten Untersuchung veröffentlicht hat, ist der Insektenschwund in die Schlagzeilen gerückt. Die Medien haben dem dramatischen Rückgang von Fluginsekten in diesem Zeitraum um rund 80 Prozent zu Recht viel Platz eingeräumt. Dieses Resultat ist umso alarmierender, als die Daten ausschließlich in Schutzgebieten gesammelt wurden. Was einige bereits seit längerem in vielen europäischen Ländern, aber auch in China und den USA festgestellt hatten, jedoch nicht beweisen konnten, ist nun eine mit 1500 Proben belegte Tatsache. Die Aufmerksamkeit, die jetzt dieser Naturkatastrophe geschenkt worden ist, lässt jedoch hoffen, dass Initiativen ergriffen werden, um dem Übel zu Leibe zu rücken.  Gewiss sind Auswilderung und Monitoring von Bartgeier, Luchs & Co. weniger mühselig und für die Biologen eindeutig spannender, als dem Aussterben von zum Teil unscheinbaren Insekten auf den Grund zu gehen. Deren ökologische Bedeutung übertrifft jedoch jene der attraktiven «Großen» bei weitem.

Die Schweiz am Pranger
Unlängst war es der Menschenrechtsrat der Uno, der die Schweiz maßregelte. Kurz darauf teilte die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) unserem Land in Sachen Umweltschutz miserable Noten aus. Nachholbedarf gebe es zum Beispiel beim Erhalt der Artenvielfalt, bei den Schutzgebieten (zu wenige, schlecht vernetzt), der Landwirtschaft  (zu viele Pestizide), der Wasserkraft (zu geringe Restwassermengen). Mit ihren 6,2% sei die Schweiz weit davon entfernt, bis 2020 die weltweit vereinbarten 17% der Landesfläche unter Schutz zu stellen. Zudem gebe es verglichen mit den übrigen Ländern viel zu wenig geschützte Wälder.

Was die Pestizide betrifft, scheint die OECD nicht ganz falsch zu liegen, wenn man sich in Wikipedia umschaut. Denkt man jedoch an die riesigen Ackerflächen, wie sie z.B. in Deutschland oder Frankreich häufig sind, kommt einem die kleinräumige, gebirgige Schweiz dagegen eher «harmlos» vor. Ausserdem werden unsere Landwirte durch zahlreiche Auflagen gezwungen sowie durch finanzielle Anreize motiviert, mit Hecken, Steinhaufen und Ähnlichem die Biodiversität zu fördern.

Die Forderung nach mehr Schutzgebieten wiederum mag rein zahlenmäßig berechtigt sein. Ein Blick auf die Landkarte genügt jedoch, um zu sehen, dass wir in den Alpen, Voralpen und dem Jura mit Naturlandschaften reich gesegnet sind, und dies trotz des von der OECD beklagten Tourismus. Wesentlich größer ist die Gefahr, dass die Schweizer Landschaft von den Windturbinenanlagen zerstört wird, die an 159 Standorten, auch in Schutzgebieten, geplant sind! – Beim Wald wiederum liegen die Kritiker eindeutig falsch: Es gab in der Schweiz während einigen Jahrhunderten nie mehr so viel Wald und Totholz wie heute. Und auf die Biodiversität wirkt sich ein unbewirtschafteter Forst erwiesenermaßen nicht positiv aus. Doch lassen wir den Fachmann sprechen…

Mehr Natur in Wald und Rebberg
Der Walliser Biologe Antoine Sierro hat im Jahr 2000 als Mitarbeiter der Vogelwarte Sempach ein Projekt mit dem Ziel gestartet, die Vielfalt und Anzahl der Brutvögel in den Rebbergen zu erhöhen. Er überzeugte hundert Winzer, in ihren Rebbergen Büsche und Bäume zu pflanzen, die Böden stärker zu begrünen und weniger Pflanzen- und Insektenvernichtungsmittel einzusetzen. Sie machten mit, und zwölf Jahre später brüteten bereits 40% mehr Vögel in den Weinbergen, darunter auch seltene Arten. Im soeben erschienenen Wallis-Sonderheft VINUM berichtet er über diese erfolgreiche Zusammenarbeit. Hier einige Zitate zum Thema Insekten und Wald: «Im Rahmen meiner selbständigen Tätigkeit als Biologe beschäftigte ich mich auch mit Schmetterlingen, insbesondere mit dem in der Schweiz sehr seltenen Blasenstrauch-Bläuling. Seit 2000 versuchte ich die Winzer davon zu überzeugen, Blasensträucher für diese Schmetterlingsart zu pflanzen. Der Strauch, in dessen Samenkapseln die Bläuling-Raupe lebt, meidet Wälder und wächst hauptsächlich am Saum von Rebfeldern. Der seltene, sehr empfindliche und dabei wunderschöne Bläuling ist gewissermaßen der Cornalin unter den Schmetterlingen.»

«Der Wald kehrt überall in der Schweiz zurück, vor allem auf Kosten der Wiesen und Bergalpen. Allerdings wird der Wald heute nicht mehr für Brennholz genutzt, und auch Waldbrände kommen heute viel seltener vor, so dass er immer dichter wird und sich für zahlreiche Arten, die Helligkeit oder Lichtungen brauchen, nicht mehr als Lebensraum eignet.» Erstarrt die Natur, wenn der Mensch nicht genügend eingreift? «Na ja, fast… Sie haben bestimmt von dem Brand gehört, der 2003 in Leuk rund 310 Hektaren Wald zerstörte. Die Bewohner dieser Region empfanden dies als Katastrophe, doch für die Natur generell und insbesondere die Vögel stellte dieser Waldbrand eine einmalige Chance dar. Ich verfolgte die Entwicklung für die Vogelwarte. Dabei stellten wir fest, dass mehrere seltene Arten, etwa der Steinrötel, wieder zurückkehrten. Die Schmetterlingspopulation explodierte regelrecht, vor allem der Segelfalter breitete sich wieder aus. Im Bewusstsein der Menschen gilt der Wald als unantastbar, doch nach einem Waldbrand können sich zahlreiche Pionierpflanzen ansiedeln. Die Natur bietet unzählige Schattierungen, doch lässt sich das oft nur schwer vermitteln.» Diese nicht ganz neue Erkenntnis sollte den Fachleuten der OECD eigentlich ebenfalls bekannt sein.

PS: Bundeskanzlerin Merkel, die sich jetzt so sehr über ihren Landwirtschaftsminister aufregt, hatte Ende Juni 2017 am Bauerntag den Landwirten hoch und heilig versprochen, sich für die Verwendung von Glyphosat einzusetzen.

 

 

MEHR BEZAHLEN FÜRS ESSEN!

 

34 Blumenwiese MontorgeVor unserer Haustür steht die Blumenwiese in der Hochblüte. Vor neun Jahren befand sich hier noch ein Weinberg, der aufgelassen wurde. Dann überließ man das unter Naturschutz stehende Land sich selbst. Pionierpflanzen siedelten sich an, die dem Bauern, der die Wiese vorschriftsgemäß zweimal pro Jahr mäht, keine Freude bereiteten – zu viele stachlige Disteln, die dem Vieh im Hals steckenbleiben! Sie verschwinden jedoch allmählich und machen gelbem Klappertopf und Färberwaid, blauem Wiesensalbei, rosa Esparsette und rotem Mohn Platz. Wunderschön. Aber leider trotz dem immensen Pollenangebot sozusagen ohne Besucher aus dem Insektenreich. Der junge Biologe, der den Montorge im Auftrag des Bundes beobachtet, meinte, es sei lediglich eine Frage der Zeit, bis sich die Insekten wieder einstellten. Sobald die Wiese wieder blühe, gebe es auch wieder Bienen, Hummeln und Schmetterlinge… Sein Wort in Gottes Ohr! Momentan können wir abends die Fenster auch bei Volllicht problemlos sperrangelweit offen lassen.34 Klappertopf

Aufgeschoben, aber nicht aufgehoben
Vergangene Woche stand in Brüssel wieder einmal das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat auf dem Programm. Man wurde sich nicht einig, fand keine Mehrheit, nicht zuletzt, weil sich Deutschland der Stimme enthielt. Der SPIEGEL macht den Umweltschützern jedoch trotz des Jeins keine großen Hoffnungen: «Beim Streitfall Glyphosat werden die Gegner wohl kaum mehr als einen Pyrrhussieg erringen. Weil die Kommission selbst über die Genehmigung entscheiden darf, wenn sich die EU-Mitgliedsländer nicht einigen können, rechnen Experten damit, dass der Unkrautvernichter am Ende zugelassen wird, zumindest befristet.»

Gut möglich, dass die Deutschen sich vor einer eindeutigen Entscheidung drücken, weil sie diesen Mechanismus kennen. Schließlich will sich der deutsche Chemiekonzern Bayer für 62 Milliarden Dollar Monsanto unter den Nagel reißen, und der macht unter anderem mit Glyphosat («Roundup») sehr viel Geld. So viel, dass es dem amerikanischen Saatgut- und Herbizid-Riesen 500’000 Dollar wert war, um einen Expertenbericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in seinem Sinn und Geist zu beeinflussen. Und es klappte offensichtlich. Wer den Glyphosat-Film in Sat3 gesehen hat, wundert das nicht sonderlich. Erstaunlich ist nur, dass dieser ausgezeichnet recherchierte Film keine stärkere Wirkung zeigt.

Glyphosat-TellerWeniger Glyphosat ist nicht gratis
Erstaunlich auch, weil anscheinend 40% der Agrarflächen unseres nördlichen Nachbarn mit dem hochumstrittenen, aber effizienten und günstigen Pestizid behandelt werden (in der Schweiz wird es nicht viel weniger sein). Der SPIEGEL spricht in diesem Zusammenhang ein Thema an, das häufig vergessengeht: Auf Konsumentenseite müsste man ebenfalls bereit sein, die Konsequenzen des Glyphosatverbots zu tragen, indem man mehr für die Lebensmittel bezahlt. Der Verfasser des Artikels, Philip Bethge, bringt es auf den Punkt: «Ein schneller Klick bei Kampagnenportalen gegen Glyphosat mag ein gutes Gefühl geben. doch das ist zuwenig. Konsequent wäre es, dann im Supermarkt nur noch zu Biofleisch, Biomilch- und Biogetreideprodukten zu greifen, die glyphosatfrei erzeugt werden. Wer gesund leben will, muss Lebensmittel vor allem mehr wertschätzen.» Man kann nicht beides haben, den Föifer onds Weggli, das Kilo Rindshack für € 1,90, wie es in Deutschland möglich ist, und eine heile Bauernwelt.

Isabelle QuartenoudDies gilt, obwohl immer wieder geklagt wird, in der Schweiz bezahlten wir zuviel fürs Fleisch und andere Lebensmittel. Nicht selten sind es anständig Verdiendende des linken Spektrums wie der Walliser Hotelier, ex-SP-Präsident und Kolumnenschreiber Peter Bodenmann, die lamentieren, unsere Nachbarn würden mindestens ebenso nachhaltig und gesund produzieren, jedoch wesentlich weniger verlangen als die hochsubventionierten Schweizer Landwirte. HühnerbungalowIm Glyphosat-Film des 3Sat hat man Einblick in deutsche Landwirtschaftsbetriebe, die nach EU-Kriterien als tier- und umweltfreundlich gelten. Es sind andere Dimensionen als in der kleinen, hügeligen und gebirgigen Schweiz. Mir ist ein Hof wie jener im Kanton Freiburg lieber, der im «Migros-Magazin» (Ausgabe Wallis, 23.5.2016) vorgestellt wurde. In Treyvaux züchten Isabelle und Yves Quartenoud neben Weide-Beef pro Jahr 10’000 Hühner nach strikten Bio-Regeln. Die Hühner laufen tagsüber frei in der grünen Wiese herum, weshalb sie statt nach 37 in der Stallhaltung erst in 80 Tagen schlachtreif sind. Das «glückliche» Poulet kostet selbstverständlich etwas mehr, schmeckt jedoch besser und ist gesünder. Und das Gewissen wird weniger geplagt. Das ist doch auch etwas wert, oder nicht?

 

 

 

 

MILCH IM WEINBERG

Im vorletzten Beitrag, «Ostern im Zeichen des Protests», war vom Verbot der Neonicotinoide in Frankreich die Rede. Das Parlament hatte, wenn auch knapp, am 18. März dieses Jahres entschieden, dieses umstrittene Pestizid im Hexagon zu verbieten. Zuerst hieß es, die Frist laufe bis 2017, kurz danach wurde sie bis 2018 verlängert. Die Reaktion der Landwirtschaft war erwartungsgemäß ablehnend, und ich lag richtig mit der Vermutung, dass diese Entscheidung noch viel Diskussionsstoff liefern werde.

Ein rascher Rückzieher1 Glyphosat-Demo
Es ging schneller, als ich dachte. Der französische Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll setzte alle Hebel in Bewegung, um das «brutale Verbot» zu verhindern oder zumindest abzuschwächen. Der 56jährige Sozialdemokrat und Regierungssprecher hat genügend Einfluss, auch in grünen Kreisen, um seinem Engagement für die Bauern Gehör zu verschaffen. Neonicotinoide dürfen nun ausnahmsweise eingesetzt werden, falls «Gefahr für die Kulturen» bestehen. Ein dehnbarer Begriff, mit dem der Landwirtschaft mehr oder weniger freie Hand gelassen wird. Inzwischen hoffe der Minister auf die Erneuerung des europäischen Moratoriums, das sich vermutlich ebenfalls für die Sache des Agrobusiness entscheiden wird.

Diese Verwässerung geht der umbequemen Delphine Batho (ebenfalls SP) gegen den Strich. Die ehemalige, 2013 geschasste Umweltministerin fordert die Bevölkerung auf, weiter gegen den Einsatz von Pestiziden zu kämpfen. Das Schicksal der Bienen und der Menschheit sei miteinander verbunden, sagt sie, und stellt sich damit gegen den deutschen Chemieriesen Bayer, der Frankreichs Landwirtschaft den Niedergang prophezeit, falls sie auf seine Produkte verzichte. Fortsetzung folgt… Quelle: «L’Obs» Nr. 2681 vom 24. März 2016.

Trotz Migration, Merkel-Erdogan-Geplänkel, Panama usw. ist Glyphosat für die Presse immer wieder ein Thema. Zum Beispiel im «Spiegel», der das forsche Vorgehen der EU-Kommission anprangert, die bereits im Juni über die Neuzulassung des Herbizids entscheiden will: «Dabei ist eine wichtige Untersuchung dazu bis dahin noch gar nicht abgeschlossen. Die Europäisch2 Arzte Chemikalienagentur (ECHA) untersucht im Auftrag der Bundesregierung, ob das Pestizid Krebs erregt. Doch Berlin und die EU-Kommission wollen die Ergebnisse nicht abwarten. … Sollte die ECHA Bedenken äussern, könne die Kommission immer noch ‹angemessene Schritte› einleiten.» Ob sich die Grünen mit ihrem Protest dagegen durchsetzen?

Jetzt haben auch die Schweizer entdeckt, dass nicht nur im deutschen Bier Glyphosat schwimmt. Wen wundert’s? Wie beim Gerstensaft unserer Nachbarn sei dies jedoch unbedenklich, da man ungefähr tausend Liter trinken müsse, bis die Dosis genügend gross sei, um krank zu machen. Laut einer Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz sollen die Deutschen übrigens in Sachen Glyphosat-Belastung den zweiten Platz besetzen, gleich nach Malta: «Alle untersuchten Personen leben in Städten, und niemand hat selber glyphosathaltige Produkte eingesetzt.» Liegt’s am Bier und an den Bretzen? Der konventionelle Weinbau setzt übrigens ebenfalls Glyphosat als Herbizid ein, und dies in nicht geringen Mengen…

4 MehltauWer hat’s erfunden?
Für einmal nicht die Schweizer, sondern die Australier. Bereits 2002 hat die Universität von Adelaide Versuche durchgeführt, um mit natürlichen Mitteln den Mehltau in den Rebbergen zu bekämpfen. Als besonders wirksam erwies sich die Milch. Peter Crisp, der Leiter der Studie, behauptet, sie sei genau so effizient wie chemische Pflanzenschutzmittel. Verwendet wurden verdünnte Frischmilch, aber auch Milchpulver und verdünnte Molke, die bei der Käseproduktion anfällt. Seither haben sich vor allem Bio-Winzer für die Behandlung mit Milch anstelle von Schwefel interessiert.
Das könnte sich jedoch ändern, da das Spritzen mit Milchprodukten auch aus finanziellen Gründen interessant ist. Den Walliser Weinbauern wurde jedenfalls empfohlen, sich mit der umweltfreundlichen Methode vertraut zu machen. Damit würde gleichzeitig die Milchschwemme sinnvoll genutzt.

3 Heli spray20159Im Wallis und im Waadtland wird die Air-Glaciers dieses Jahr von Mitte Mai bis Ende August auf insgesamt 500 Hektaren Magermilch übers steile Rebland spritzen. Die beteiligten Winzer wollen damit der Umwelt, den Konsumenten und ihrer eigenen Gesundheit einen Gefallen tun. Es geht ihnen jedoch nicht zuletzt ums Image des Weinbaus, das verbessert werden soll. Und weil den chemischen Produkten immer mehr Restriktionen drohen, werden künftig auch «sanfte» Herbizide getestet.

ACKERN MIT GIFT STATT MIT DEM PFLUG

Man lernt nie aus. So soll das traditionelle Ackern mit dem Pflug die Bodenerosion fördern und die Fauna unter der Erdoberfläche schädigen. Besser sei es, die Anbauflächen mit dem Grubber zu lockern, bevor neu angesät werde. Wesentlich einfacher und schneller geht das jedoch, wenn sie vorgängig  mit einem glyphosathaltigen Herbizid (z.B. Roundup) bearbeitet wurden.

Spritzen mit GlyphosatÖkologisch und unbedenklich?
Und was meinen unsere zuständigen Behörden dazu, das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV)? Alles bestens: «Aufgrund der Daten, die heute zur Verfügung stehen, und der zahlreichen Beurteilungen durch internationale und nationale Fachgremien betrachten das BLW und das BLV Rückstände von Glyphosat aus der Anwendung als Pflanzenschutzmittel als gesundheitlich unbedenklich für die Bevölkerung. (…) In der Schweiz wird Glyphosat in bodenschonenden pfluglosen Anbauverfahren eingesetzt. Diese Anbaumethode fördert indirekt die Bodenfruchtbarkeit.» Das soll deshalb ökologisch sein. Und man beruhigt die verunsicherten Konsumenten: «Die Anwendung von Glyphosat kurz vor der Ernte, wie dies beispielsweise im Ausland u.a. zur Reifebeschleunigung von Getreide möglich ist, ist in der Schweiz nicht zugelassen. Daher ist in Lebensmitteln aus heimischem Anbau nur mit sehr geringen Rückständen zu rechnen. Glyphosat wird auch im nicht-landwirtschaftlichen Bereich zur Unkrautvernichtung verwendet.» Damit folgt der Bund der EU, die meint, dass «nach den vorliegenden Erkenntnissen Bienenvölker bei sachgerechter Anwendung und verantwortungsvollem Umgang mit glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln nicht gefährdet sind».

Immerhin haben Migros und Coop Unkrautbekämpfungsmittel, die Glyphosat enthalten, diesen Frühling aus dem Regal genommen. Zudem: Wie kann ich feststellen, dass mein Brot oder Gipfeli mit Sicherheit  nur aus Getreide besteht, das in der Schweiz produziert wurde? Eine entsprechende Herkunftsbescheinigung habe ich noch nirgendwo entdeckt…

pflugloser AckerbauKämpferin gegen Windmühlen
Sybilla Keitel ist Lehrerin und hat seit rund 25 Jahren – wie Bundeskanzlerin Angela Merkel – ein Häuschen in der idyllischen Uckermark in Nordostdeutschland. Die Idylle wurde jedoch empfindlich gestört, als ein «Landwirt» und Möbelbauer in dieser Gegend großflächig Mais, Raps und Hirse anbaute. Mit Herbiziden, unter anderem Roundup, wurde offenbar nicht gespart: «Kein Regenwurm lebt mehr in diesen Äckern, als seltenes Exemplar existent höchstens noch in den Rändern. Dies gilt auch für andere Bodenlebewesen. (…) Viele Amphibien und Schmetterlinge sind mittlerweile verschwunden. Laut Imker sind in diesem Winter bei den Bienen Verluste von 50 bis 60% aufgetreten. Es wird berichtet, dass Schwalben ihre Jungen aus den Nestern werfen, weil Insekten fehlen.»

Die kämpferische Deutsche hat alles Erdenkliche unternommen, um auf das langsame Sterben aufmerksam zu machen. Sogar an Frau Merkel hat sie mehrmals geschrieben, freilich ohne je eine Antwort zu erhalten.  «Ich habe die Naturkatastrophe überall bekannt gemacht, jeder Angeschriebene weiß also, was Sache ist. Man nickt sorgenvoll mit dem Kopf, ist jedoch nicht zuständig.» Und im Vorwort ihrer 2014 publizierten Initiative:  «Dessen ungeachtet empfehlen ‹die Experten des Ernährungs- und Landwirtschaftsausschusses  im Bundestag› in ihrem Dokument Nr. 351 vom 2. Juli 2014 eine weitere Anwendung von Glyphosat. Sie handeln dabei anscheinend unbeirrt  von öffentlichen Alarmrufen in Wissenschaft und Medien, vor allem aber in einer erschreckenden Ungerührtheit, was den Umgang mit der Natur und ihren Geschöpfen betrifft.» Und sie fragt sich, ob diese Leute von jemandem bezahlt werden, damit sie ihren Verstand kollektiv an den Nagel hängen… Keine dumme Frage, wie mir scheint.