DIE BLAUÄUGIGE KÖNIGIN

Tulum Ruinen ganz grossJetzt flattern sie wieder ins Haus, die Prospekte und Inserate für Flug- und Schiffsreisen in alle Welt. Und weil es im Wallis seit Tagen regnet, schneit und stürmt, packen wir die Gelegenheit beim Schopf und ziehen nach Tulum. Tulum liegt an der mexikanischen Karibikküste auf der Halbinsel Yucatan, wo die von Palmen umsäumten Strände weiß und der Himmel ständig blau ist. Sollte man meinen. In Wirklichkeit regnet es jetzt auch dort, so dass wir uns die weite Reise sparen und und uns stattdessen getrost an den Computer setzen können.

Die Bienen der Maya
Neben seinen prächtigen Stränden ist Tulum durch seine imposanten Ruinen berühmt geworden. Von der einst bedeutenden ummauerten Handelsstadt ist der größte Teil verschwunden, aber das Schloss und die drei Tempel zeugen vom ehemaligen Glanz. Wikipedia führt uns zu jenem Heiligtum, das uns besonders interessiert: «Neben dem Schloss liegt der Tempel des Herabsteigenden Gottes bzw. Templo del Dios Descendente. Seinen Namen erhielt er von der im Dachfries enthaltenen Figur des herabsteigenden Gottes. Diese in Tulum mehrfach (beispielsweise im Schloss) abgebildete Gottheit wurde mit dem Sonnenuntergang, dem Regen, dem Blitz und der Bienenzucht in Verbindung gebracht und hieß auf Mayathan Ah Mucen Cab (Bienengott).»Melipona

Wobei wir beim Thema dieses Blogs angelangt wären, bei der Biene Melipona beecheii, deren Honig und Wachs von den Maya genutzt und die wie ein Heiligtum verehrt wurde. Melipona besitzt zwar keinen Stachel, kann jedoch kräftig zubeißen. Ihre blauen Augen sind eine weitere Besonderheit der «königlichen Dame», deren Honig auch oder sogar vorwiegend als Heilmittel und zu rituellen Zwecken verwendet wurde.

Weil die schöne Melipona viel weniger Honig als unsere Honigbiene produziert, wurde sie nach der Kolonisierung durch Apis mellifera ersetzt, geriet allmählich in Vergessenheit und wäre schließlich beinahe ausgestorben. Dazu beigetragen haben auch die großflächigen Rodungen des Dschungels. Dass durch ihr Verschwinden die Flora zu verarmen droht, merkte man erst später: Die einheimische Melipona-Biene bestäubt nämlich Pflanzen, die von den dortigen, inzwischen «afrikanisierten» Honigbienen nicht frequentiert werden.Melipona Honig gewinnen

Hilfe aus dem Westen
Zur Rettung der stachellosen Bienen und ihrer Wirtspflanzen wurden mehrere Aktionen gestartet. Ein Westschweizer Paar, das auf Tulum ein Hotel betreibt und das Imkern als Hobby pflegt, begeisterte sich für die Maya-Biene und gründete 2013 eine Stiftung, die Fondation Melipona maya. Man will die Produktion steigern und hat die ideale Abnehmerin in Frankreich gefunden. 1982 gründete Catherine Flurin mit ihrem Mann Philippe Ballot ihr Bienen-Unternehmen in den Pyrenäen. Sie gehörten zu den ersten Bio-Imkern und nahmen sich vor, «die Bienen als ein echtes kleines, über hundert Millionen Jahre altes Volk zu respektieren» und vor allem keine Chemie einzusetzen. Als Arzttochter interessierte sich Catherine schon bald für den therapeutischen Aspekt von Produkten wie Honig, Propolis und Gelée royale, und die Firma Ballot-Flurin begann Anfang der 1990er Jahre mit der Produktion ihrer Linie DOUCE. Der Erfolg stellte sich rasch ein, und heute beschäftigt der Betrieb fünfzig Angestellte. Und seit 2014 wird mit Honig aus Mexiko die Kosmetiklinie Melipona erzeugt. Sie wird von den Kundinnen geschätzt, da die Haut nach dem Eincremen aussieht, «als sei sie mit Pailletten bedeckt». Den Nachfahren der Maya, die mit der Imkerei der blauäugigen Schönheit betraut sind, kommt der finanzielle Zustupf entgegen, vor allem auch, weil der Zeitaufwand bescheiden ist. Mehr, auch über das etwas kuriose Bienenyoga, unter www.ballot-flurin.com

Ein weiteres Projekt zur Wiederaufforstung der tropischen Wälder Amerikas und zur Förderung der stachellosen Bienen läuft schon länger unter dem Namen PROMABOS in El Salvador. Seit 2003 werden auf Gelände, das Bienenzüchtern gehört, gezielt Bäume und Sträucher angepflanzt, die von Melipona beecheii besucht werden. Mehr unter www.apimondiafoundation.org.

PS: Wer sich für den Sinn und Zweck von Farben und Mustern im Tierreich interessiert, ist mit dem kürzlich in Neuauflage im NZZ-Verlag erschienenen Bildband «Design by Nature – Warum die Tiere so aussehen, wie sie aussehen» gut bedient. Für den Text und die Illustrationen zeichnet Otmar Bucher verantwortlich, der ehemalige Chefredaktor des «schlauen Schüler-Magazins» SPICK, für das ich die Ehre und das Vergnügen hatte, Artikel zu schreiben.

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