DIE TRÜFFELFLIEGE IM AUFWIND

Der Jahresbeginn ist die hohe Zeit der Propheten. Sie drohen uns mit Wespen-, Stechmücken- und Zeckenplagen. Die außergewöhnlich warmen Wintertemperaturen seien vor allem für Exoten wie die Asiatische Tigermücke oder die Buschmücke ideal. So der «Spiegel», der «Blick» und viele andere. Genau das Gegenteil erfahren wir in der «Welt» vom 13. Januar 2012: Dort beruhigt die Sprecherin des deutschen Naturschutzbunds: «Landläufig geht man davon aus, dass auf einen warmen Winter eine große Mückenplage im Sommer folgt. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Die warmen Temperaturen im Winter schaden den Mücken.» Die Eier und Larven würden eher verschimmeln als in kalten Wintern.

Trüffel politisch korrekter als Nüsse?
Auch die Weihnachtsnummer des «Spiegel» macht uns das Leben nicht leichter. Man wird darüber aufgeklärt, auf welche Speisen und Getränke man verzichten sollte, falls man sich politisch korrekt ernähren will. Dazu gehören Mandeln und Walnüsse, die wahre Säufer seien. Für eine einzige Mandel brauche es 3,8 Liter, für eine Walnuss 3,7 Liter Wasser. Man höre und staune! Mandelbäume gedeihen nicht nur in Kalifornien, sondern auch vom Wallis bis in die Provence, und dort bevorzugt in steinigen, trockenen Böden. Sie stehen überdies häufig in Weinbergen, die selten oder überhaupt nicht bewässert werden. Was die Baum- oder Walnüsse betrifft, lieben auch sie die Wärme. Und wir haben unter Bäumen, die garantiert nie gegossen wurden, nach dem ausgesprochen trockenen Sommer diesen Herbst zahlreiche große und einwandfreie Walnüsse gesammelt. Woher stammen solche Zahlen? Wer hat die geernteten Mandeln und Walnüsse in aller Welt gezählt, und wer weiß, wie viel Wasser in den Plantagen wieder verdunstet? Nicht nur vor Würsten, Nespresso-Kaffee und Wein aus Israel, sondern auch vor Kräutertee, Äpfeln (sogar in Bio-Qualität!), Wildbret und Hefe wird gewarnt. Man hat es wirklich nicht einfach…

Zu den politisch Unbedenklichen gehört glücklicherweise die Trüffel. Jedenfalls habe ich die in der Erde wachsenden Luxuspilze bis jetzt auf keiner schwarzen Liste entdeckt. Der Süden Frankreichs steckt momentan mitten in der Trüffelsaison. Die kostbare Knolle wird heute nur noch selten mit Schweinen, sondern meist mit Hunden gesucht. Schweine seien zu gierig – oder zu intelligent? – und würden ihren Fund lieber selbst verspeisen, als ihn ihrem Besitzer zu überlassen (was allerdings auch hie und da bei einem Hund vorkommen kann, wenn er die Gelegenheit dazu hat).

Claudine Bayle, die in Montoison in der Drôme Australische Hirtenhunde züchtet, trimmt die Welpen durch spielerisches Training bereits im Alter von sechs Wochen auf den Geschmack. Wichtig sei, das Interesse der Hunde zu wecken, die Trüffelsuche soll für sie ein Spaß sein. Wie ihr das gelingt, bleibt ihr Betriebsgeheimnis. Immerhin verkauft sie einen knapp drei Monate alten Welpen für ungefähr 2000 Euro. «Alle Hunde können Trüffelhunde werden, kein Hund wird jedoch mit dem Instinkt zum Trüffeln geboren.» Wichtig seien Ausdauer, Konzentrationsfähigkeit, die Nähe zum Menschen und eine gute Dressur.

Kenner können’s mit der Fliege
Erfahrene Trüffelsucher haben neben dem Hund einen weiteren Trumpf in der Hand: Die Trüffelfliege Suillia tuberiperda. Das gelbe, mit seinen kräftigen Borsten nicht besonders attraktive Insekt führt ebenfalls zum Erfolg. Die Fliegenweibchen suchen zur Eiablage eine Stelle, unter der ein Trüffel wächst. Dort kreisen sie prüfend über der Erde, bevor sie ihre Eier legen. Nach dem Schlüpfen kriechen die Maden hinunter, zum Trüffel, in der sie es sich bis zum Schlüpfen wohlsein lassen. Wir hatten vor einigen Jahren das Pech, am Trüffelmarkt vor Weihnachten in Grignan ein für uns Laien äußerlich tadelloses, aber innen vollständig von Larven befallenes Exemplar zu erwerben.Die Knolle hatte kein Vermögen gekostet, aber es wurmte dennoch, und so habe ich die Maden sorgfältig entfernt und den Pilz sauber gewaschen, so dass wir trotzdem einige Gerichte mit seinem legendären Duft parfümieren konnten…

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In der Schweiz ist die Trüfflerei auf dem besten Weg, ein Volkssport zu werden. Deshalb wächst auch das Interesse an der Trüffelfliege, die den Vorteil hat, keine Kosten und Mühen zu verursachen (als glückliche Besitzerin eines Lagotto Romagnolo weiß ich, wovon ich spreche). Außerdem ist die Gefahr geringer, von Konkurrenten als Trüffelsucher erkannt zu werden. Es gibt schon Passionierte, die mit ihrem Hund nachts mit der Taschenlampe auf die Suche gehen, um ihre Plätze geheimzuhalten. Bei dieser Demonstration fürs Fernsehen ist das offensichtlich nicht der Fall…

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