INSEKTENFALLE KUNSTLICHT

Les OllieresIn unserem Eyrieux-Tal, das zum Schutzgebiet Natura 2000 auserkoren wurde, machen sich die Insekten diesen Sommer noch rarer als in den vergangenen Jahren. In den letzten fünf Wochen habe ich ein einziges junges Grünes Heupferd gesichtet, einige wenige Libellen sowie Tag- und Nachtfalter, die wir heute als Ausnahmeerscheinung bestaunen. Bis heute zeigte sich bei uns noch keine Gottesanbeterin. GottesanbeterinDabei waren sie früher häufig, doch offenbar ist das Nahrungsangebot für diese Insekten, die selbst hauptsächlich Insekten erbeuten, allzu mager. Auch Wespen und Hornissen lassen sich bisher höchst selten blicken, um sich am Schinken auf dem Teller zu bedienen, und die beiden brandmageren Winzlinge von Mauereidechsen scheinen auch auf dem Hungertripp zu sein… Erschreckend daran ist unter anderem, dass man sich an diesen Zustand, der ja auch seine angenehmen Seiten hat, nur allzu rasch gewöhnt. Und wer, wie so viele, auch draußen in der Natur nur noch Augen für das Smartphone hat, nimmt sowieso nicht viel von solchen Veränderungen seiner Umgebung wahr.Grünes Heupferd

Im Dorf soll’s dunkler werden
Dieses Wochenende fand in ganz Frankreich die 26. Ausgabe der Nuit des étoiles, der Nacht der Sterne, statt. Rund vierhundert Veranstaltungen widmeten sich der Astronomie und dem Problem, das die künstlichen Lichtquellen Mensch und Tier bereiten. Eine davon wurde im Nachbardorf Les Ollières-sur-Eyrieux mit einem Vortrag und einer Ausstellung durchgeführt.Strassenlampe jpg

Anlässlich einer Arbeitswoche zu diesem Thema wurde beschlossen, die Lichter in der Gemeinde von diesem Herbst an nachts teilweise zu löschen. Die Bürgermeisterin erklärte diesen Entscheid folgendermaßen: «Es geht nicht darum, in die Steinzeit zurückzukehren, sondern im Gegenteil, mit seiner Zeit zu leben, indem man die Nachttiere und die Gesundheit von uns allen schützt. Außerdem spart die Gemeinde dadurch Geld, was nicht ganz unwichtig ist.» Les Ollières wird nicht die einzige Ortschaft in Frankreich sein, die sich dazu entschlossen hat, der Umwelt zuliebe etwas mehr Dunkelheit zu wagen.

Licht EuropaDie Zahlen zur Lichtverschmutzung sind denn auch beeindruckend, obwohl ich mir kaum vorstellen kann, dass sie sich derart präzis erfassen lässt. So sollen 80% der Menschheit in Gebieten leben, in denen die Nacht durch Kunstlicht beeinflusst ist. Über 99% Europas und Amerikas seien davon betroffen. Der Lichtersmog sei der zweitwichtigste Grund für den Insektenschwund, gleich nach den Pestiziden. Laut einer Hochrechnung werden in Deutschland jede Nacht mindestens eine Milliarde Insekten durch Lichtimmissionen getötet. Obwohl ein Teil davon von Fledermäusen oder Vögeln verzehrt wird, haben Insektenfresser auch in Städten auf längere Sicht bestimmt das Nachsehen.

Kampf um Kirschen und Aprikosen
Das Motto dieses Blogs stimmt nicht immer mit der Wirklichkeit überein: Fast täglich berichten die Medien von Insekten, die sich schneller vermehren, als manchen lieb ist. Dazu gehört die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii), die aus Südostasien eingewandert ist und seit 2009 auch in der Schweiz und Frankreich ihr Unwesen treibt. Bei den Wein- und Obstbauern ist der orangefarbene Zweiflügler mit den knallroten Augen höchst unbeliebt. Er hat die diesjährige Kirschenernte in den französischen Departementen Drôme und Ardèche um rund die Hälfte schrumpfen lassen. Zahlreiche Landwirte geraten dadurch in eine finanzielle Notlage, etliche geben sich geschlagen und fassen einen Berufswechsel ins Auge. Kirschen SuzukiiDazu kommt, dass das zur Bekämpfung der Kirschessigfliege eingesetzte Insektizid Dimethoad in Frankreich seit Februar 2016 verboten ist, obwohl die für Bienen und andere Insekten gefährliche Substanz in anderen EU-Staaten und auch in der Schweiz nach wie vor zugelassen ist. Einige der betroffenen Jungbauern in der Ardèche finden dies ungerecht und beschlossen, etwas dagegen zu unternehmen. Protest! Sie versammelten sich am Samstagmorgen, 30. Juli, vor dem Regierungsgebäude in Privas und versuchten, mit den zuständigen Beamten eine Lösung zu finden. Man versprach ihnen eine finanzielle Entschädigung, konkret ist jedoch noch nichts festgelegt. Den Landwirten reicht das nicht, sie erwarten präzise Vorschläge, wie sie die «Suzuki» bekämpfen können, ohne dafür mehr Arbeit und/oder Geld zu investieren. UnbenanntDenn sie befällt nicht nur Kirschen und Trauben, sondern auch Aprikosen, Pfirsiche und Himbeeren. Wenn es so weitergehe, meint einer, werde es in der Ardèche bald keine Obstproduktion mehr geben. Dann importiere man künftig alles aus dem Ausland…

PS: Zecken sind zwar streng genommen keine Insekten, sondern Milben, und sie haben sich dieses Jahr auch in Südfrankreich extrem vermehrt. Eine davon hat vor ein wenigen Wochen den kleinen Hund eines Nachbarn mit einem Virus infiziert, das in wenigen Tagen zu seinem Tod führte!

 

 

WINZERFREUD UND FÖRSTERLEID

Weinlese auf der Lentine-SuoneEs ist Wümmet. Die Walliser Winzer strahlen wie die Sonne am tiefblauen Himmel. Der Sommer hat es dieses Jahr gut mit ihnen gemeint. Der heiße Juli und August ließ die Trauben vollendet ausreifen, der Hagel blieb aus (im Gegensatz zum Waadtland), und die Kirschessig- oder Suzukifliege ließ sich nicht blicken. Die aus Asien eingeschleppte orangefarbene Taufliegen-Art (sie tauchte 2011 erstmals in der Schweiz auf) mag milde Winter und feuchte Sommer wie jenen von 2014, als die meisten Reben in Savièse oberhalb von Die KIrschessigfliege sticht vor allem blaue Trauben anSitten mit Talk weiß eingepudert wurden. Es sah nicht schön aus, und die Weinbauern hatten alle Hände voll zu tun, die von den Maden
befallenen Beeren auszusortieren, um zu verhindern, dass die «sale bête» oder das «Problemviech» den Wein in einen unverkäuflichen Säuerling verwandelt. Umso größer ist die Freude, dass der 2015er als hervorragender Jahrgang in die Geschichte eingehen wird.  

Borki am Rhoneknie
2011, im selben Jahr, als sich die Sukuzifliege bei uns bemerkbar machte, fiel vor Weihnachten eine ungewöhnliche Menge Schnee, der sehr feucht und schwer war. Am 6. Januar 2012 brauste der Orkan Andrea durchs Tal, und im folgenden April wütete ein Föhnsturm vor allem in der Gegend oberhalb von Martigny. Für den kleinen, aber schönen Alpenzoo von Marécottes waren die umgestürzten Bäume eine Katastrophe, die auch etliche Opfer unter den Tieren forderte.

Borkenkäfer

Dafür profitiert nun ein anderes, wenn auch weniger spektaktuläres Tier als Luchs, Murmeltier und Bär von der wetterbedingten Baumfällaktion. Die großen Lücken, die die Stürme in die Wälder gerissen haben, und die geschwächten Nadelbäume sind für Borkenkäfer ein gefundenes Fressen. 2014 wurde die Situation alarmierend, die gefürchteten Forstschädlinge vermehrten sich explosiv und breiteten sich weiter in den Schutzwäldern aus. Was tun? Das Amt für Verkehr, Bau und Umwelt des Kantons Wallis versucht nun, gezielt befallene beziehungsweise geschwächte Bäume zu fällen oder eben stehenzulassen. Einerseits sollen die Borkis dabei helfen, dass der Jungwald möglichst schnell sprießt und wächst, und andererseits soll die Schutzfunktion der Wälder erhalten bleiben.

Und damit der Jungwald bessere Chancen hat, wird die Jägerschaft dazu aufgerufen, dieses Jahr möglichst viele Rehe, Hirsche und Gemsen zu erlegen. Am 21. September hat im Wallis die Hochjagd begonnen. Weidmannsdank!